Nordheim - Kapitel 1: Der Pfad

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  • Autorenbitte
    Wie auch bei der letzten Geschichte gilt: Rechtschreibfehler dürfen mir bitte wieder per PN mitgeteilt werden :)


    Verschneit war der Pfad, dem sie schon seit Tagen gen Norden folgt. Fern war das Ziel, welches Fraja auserkoren hatte. Es muss nun schon eine Woche vergangen sein, als sie von Hoelbrak aus aufgebrochen war, um sich auf den Weg in ihre alte Heimat zu machen. Sie war noch ein Mädchen, fünfzehn Winter jung, als sie ihre Heimat verließ und eben jenen Pfad nutzte um zweiter gen Süden zu wandern, bis sie in Hoelbrak ihr neues Zuhause fand. Bei Karur, ihrem Lehrmeister der ihren weiteren Lebensweg als Rabenschamanin an dort begleitete.

    Nun ist sie vierzig Winter alt und der Pfad kam ihr selbst nach 25 verstrichenen Jahren immer noch vertraut vor, fast als hätte sie ihn jeden Tag beschritten. Verschneit war jener seit jeher und der Schnee knarzte unter jedem ihrer Schritte, drückte den Stiefelabdruck in jenes Weiß. Der herabfallende Schnee umspielte nur sanft ihr Gesicht. Die Flocken kamen einem streicheln gleich, immer wenn sie ihre Haut berührten. Das machte für Fraja den Weg nur unbeschwerlicher, was ihr nur sehr gelegen kam. Noch vor zwei Tagen hatte ein Schneesturm ihre Reise zum Stillstand gebracht. Nur nur der kalte Wind, sondern auch der undurchsichtige Flockentanz zwang die Schamanin in die Knie. In einer Höhle suchte sie Unterschlupf. Nachdem sie das Bitterfrost Grenzland passierte wusste sie, dass Gefahr hinter jedem Baum und auch unter dem Schnee lauern konnte. Einst war dieser Pfad der sicherste gewesen, der nach Nordheim führte. Nordheim … Je öfter sie während ihrer Reise an ihren alten Heimatort dachte, desto tiefer verfiel sie in eine leise Melancholie. Nach der großen Katastrophe, verursacht durch Jormags erwachen, war dies eines der wenigsten Orte, mit den wenigen Norn die ihre Stellung hier behielten. Doch irgendwann … als die bittere Kälte nicht mehr zu ertragen war und der Einfluss des Eisdrachen immer mächtiger wurde, beschlossen die letzten verbliebenen Norn sich zu verstreuen.

    Immer näher kam sie ihrem Ziel. Sie wusste es … denn nach Nordheim ging es nur noch Bergauf, auf die Spitze des Räjunberges. Für Norn, die wenig Zeit in den Bergen verbrachten war dies ein beschwerlicher Pfad. Fraja würde ihn jedoch mit Leichtigkeit meistern können, hatte sie doch durch ihre Zeit als Wanderschamanin den einen oder anderen Berg erklommen. Sie erinnerte sich … Immer wenn ihr Vater sie zum Holz sammeln mitnahm, durfte die noch kleine Fraja auf dem Dolyak sitzen, welches zusätzlich einen Holzschlitten hinter sich her zog. Beim ersten Mal krallte sie sich so fest in das Fell des Lasttiers, dass selbst ein Bär sie nicht davon lösen konnte. Mit der Zeit sie sicher im Dolyak reiten und irgendwann konnte sie es nicht mehr erwarten das nächste mal mit ihrem Vater zum Holz sammeln zu gehen. Sechs Winter war sie gerade mal … Nicht viel blieb von ihrer Kindheit in ihren Erinnerungen. Und wenn sind es nur jene, die ihre Kindheit geprägt haben. Der Beginn ihrer Ausbildung zur Schamanin, ihre Eltern, ihre Schamaninlehrerin Maer, Bran … ja auch Bran hatte sie in Nordheim kennen gelernt.

    Fraja schloss die Augen als sie an ihn dachte, unterdrückte eine Träne, die sich dennoch durch ihre Wimpern geschlichen hatte. Mit dem Handrücken wischte sie diese davon. Vieles hatte sie ihm zu verdanken. Er war der einzigste der ihr von Nordheim geblieben war, der sie nach Hoelbrak begleitet hatte und ihr auch das Kämpfen mit der Axt beibrachte. Und … er war derjenige, der ihr Mut zusprach, als sie über Schamanismus sprachen. Maer war die einzigste Schamanin, die im Umkreis von Nordheim anzutreffen war. Mit ihrem weißen Haar galt sie als älteste im Dorf. Sowohl ihr Totemtier, als auch jener des gesamten Dorfes war der Rabe. Zwar wurden auch die anderen Totemtiere gehuldigt, aber der Rabe hatte in ganz Nordheim eine tiefsinnige Bedeutung. Für Fraja war der Schamanismus der Weg, den sie wählte … der Weg, er ihre Legende werden soll.

    „Der Rabe begleitet uns immer. Im Leben oder im Tod … darum haben wir nichts zu befürchten ...“

    Diese Worte hatte Bran ihr zufeglüstert, bevor sie sich den Mut fasste und mit Maer zu sprechen begann. Wie gern würde sie nun Bran an ihrer Seite wissen. Gemeinsam nach so langer Zeit wieder den Pfad nach Nordheim beschreiten … Doch während ihre Gedanken voller Sehnsucht nach Bran erfüllt waren, war sie auch auf der Spitze des Berges angekommen. Fraja wusste, dass sie das Dorf womöglich nicht wieder erkennen würde, doch zu ihrer Überraschung hielt sich die Verwüstung in Grenzen. Tief holte sie Luft … und tat schließlich den letzten Schritt, betrat zum ersten Mal seit fünfundzwanzig Jahren wieder ihre Heimat. Verdeckt durch Schnee und Eis der Jahre, aber doch so friedlich und ruhig anmutend. Einzig der Wind wehte durch das verlassen Dorf und aus der Ferne konnte sie klänge der alten Traumfänger ausmachen. Wie auch immer diese die Zeit überlebt hatten.

    Sogleich führt ihr Weg vorbei an den Hütten über die Mitte des Dorfes, wo der Rabe über ein Götzenbild hoch über jeden Kopf eines Norns ragte. Das innere Feuer war lange erloschen … ob es jemals wieder brennen wird? Stutzig wurde die Schamanin, als sie auf das Götzenbild zuging und feststelle, dass das Holz des inneren Feuers frisch verbrannt war … Ist jemand hier? … Lebte jemand hier? Fragen überschlugen sich in ihren Gedanken, doch verdrängt wurden diese vom erneuten Klangspiel der Traumfänger. Sie wusste noch, dass diese vor der großen Hütte hingen. Kurz vor jener Hütte blieb sie stehen, betrachtet die vereiste, teils zerberstete Fassade des Gebäudes . Nach einigen Herzschlägen drückte sie ihr Gewicht gegen die Tür, um das Eis, welches die Tür festhielt zu brechen und jene schließlich nach vorn in den Raum fiel. Für einen Herzschlag wurde es laut … aber dann kehrte wieder Stille ein. Sie trat in den Raum, warf das Schneeweiße Augenpaar durch jenen … Es war ein Art Haupthaus für das Dorf. Prächtige Feste wurden hier gefeiert … Fraja erinnerte sich zu gut an das letzte. Der Schmied ging einen Bund mit der Schmuckmacherin ein und es wurde viel gespeißt, getrunken und ums Feuer getanzt. Es war stehts warm in jener Hütte, nur nur durch das helle Feuer, dass in der Mitte des Gebäudes flackerte, sondern weil auch die Hütte bei solch Feierlichtkeiten stehts voll mit Norn war. Nicht nur die Dorfbewohner, sondern auch die reisenden fanden sich hier ein und es konnte durchaus eng werden. Es war der einzige Ort, an welchen man sogar nackt herumlaufen konnte ohne dass einem Ansatzweise kalt wurde. Nur zu gut erinnert sich Fraja an die Feier. Es war das erste mal dass es mit dem trinken übertrieb und Ohnmächtig im nächsten Fell landete. Was dazwischen passiert ist … daran erinnert sie sich nicht, aber vielleicht will sie sich auch gar nicht daran erinnern.

    Wichtig war … sie war nun hier. In Nordheim … ihrer Heimat.
    Wenn plan "A" nicht funktioniert, vergiss nicht, dass das Alphabet 25 weitere Buchstaben hat!

Kommentare 2

  • Astrid -

    Es ist wirklich schön, etwas über Frajas Vergangenheit zu erfahren.
    Du hast wirklich schön geschrieben und der Text macht Lust auf mehr.
    Mehr Erinnerungen der Schamanin, mehr Informationen, die man so vielleicht nicht im Rollenspiel bekommen kann.
    Weiter so!

    • Ragna-san -

      Vielen dank :)
      Ja es gibt einiges, dass nicht alle Wissen, bzw im Rollenspiel kaum zur Geltung kommt oder auch kommen wird. Es wird definitiv mehr kommen, aber das ein oder andere kann man auch im Rollenspiel herausfinden. ;)