zwanzig Jahre

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  • Ein Mann steht still und sieht.

    Er ist ganz und gar gefangen von dem Anblick, der sich ihm bietet. Ihm ist, als stünde er vor einem Fenster zu einer anderen Welt - Denn was er vor sich erblickt, erscheint ihm völlig surreal.
    Zwanzig Jahre sind vergangen. Zwei Jahrzehnte, seit er seinem Gegenüber das letzte Mal in die Augen gesehen hat. Er hat sich verändert, ist älter geworden. Nicht nur das, der Mann realisiert auch, dass er dieses Gesicht vergessen hat. Wüsste er nicht wer der Andere ist, der ihm dort gegenüber steht, hätte er ihn nicht einmal wiedererkannt.
    Der Mann braucht Zeit. Eine ganze Weile in der er nichts anderes tut als zu stehen und zu starren. Er weiß genau, wen er dort im Spiegel sieht, aber er kann es nicht fassen.
    So steht er vor einem Waschbecken und schweigt. Er hebt die Hand und winkt ihm zu, dem Menschen auf der anderen Seite. Ihre Synchronität hilft ihm zu realisieren, dass er ganz plötzlich, von einem Tag auf den Anderen, sich selbst sehen kann.
    Es ist ein bizarres Gefühl. Er hat sich so sehr daran gewöhnt, einzig und allein aus seinen Augen zu sehen und dass ihm alles, was nicht in seinem Sichtfeld liegt, verborgen bleibt. Sein eigenes Antlitz gehört zu diesen Dingen, die er nicht sehen können will, ebenso wie niemand seine eigenen Innereien betrachten wollen würde.
    Es ist ein schreckliches Gefühl. Er fühlt sich als wäre er gestorben, als hätte er seinen Körper verlassen und würde nun auf seine Leiche herabblicken. Es fühlt sich falsch an, dieser unnatürliche Blick, die Illusion des Spiegelbilds die es ihm möglich macht, in seine eigenen Augen zu starren.


    Ein Mann steht mit gesenktem Blick vor einem Spiegel. In den letzten Wochen hat er versucht, sich daran zu gewöhnen. Er hat sich bemüht, sich ein wenig mit dieser visuellen Selbstreflexion anzufreunden. Schließlich könnte ihm diese neue Möglichkeit vieles vereinfachen. Er hat es oft versucht und inzwischen fällt es ihm schon viel leichter. Doch als er sich nach kurzem inneren Kampf überwindet aufzusehen, gefriert das Blut in seinen Adern.

    Er sieht nicht mehr, was er sehen sollte.
    Mahr.9752 | James | Jacob Curtis | Jacobs's Schmiede | Art thread | weitere Charaktere

Kommentare 6

  • Mahorka -

    Sehr schön das er es endlich wagt und umsetzt :)

  • Pleja -

    So schön geschrieben und es war so ein schöner Moment. Die Sorge um James wie er paralysiert vor seinem Spiegelbild stand hab ich noch gut in Erinnerung. <3 Ein wirklich bewegender Moment. Danke das ich ihn erleben durfte.

    • Mahr -

      Das war ein super play ja, gut dass ich Eves Badezimmer dafür genommen habe :D <3

  • Motte -

    Gervais: "Sag mal, wie rasierst du dich eigentlich?"

    Aber mal den Clown bei Seite, ich finde die Geschichte toll! Es ist ein interessanter Gedanke, den Blick in den Spiegel mit dem Betrachten der eigenen Eingeweide gleich zu setzen. Ich frage mich auch, was er im letzten Satz sieht und musste irgendwie gleich an das surreale Horror-Bild denken, das du gezeichnet hast. Es freut mich aber, dass er diese Fortschritte macht!

    • Mahr -

      Hehe, ich sags dir: James Bartwuchs ist lächerlich. Das bisschen Flaum ist nicht so schwer los zu werden, aber er braucht natürlich trotzdem viel Übung bis er sich nicht mehr geschnitten hat.

      Er macht Fortschritte? xD Also das Ende klingt doch nicht positiv oder? :D Gervais konnte vielleicht sogar erfahren, was hinter dem letzten Satz steckt... Aber cool dass du es mit dem Bild verbindest!

  • Mahr -

    Da es bereits Gerüchte gibt, warum er nicht weiß wie er aussieht: hier eine mehr oder minder aktuelle Geschichte die hoffentlich mehr Fragen aufwirft als beantwortet :P

    Kommentare dazu wer oder was doch gern seine eigenen Innereien betrachten wollen würde, bitte hier einfügen: