Ort des Geschehens

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  • Der Mond stand am wolkenlosen Himmelszelt und die Sterne funkelten um die Wette. Eine kühle Brise aus Sommerluft strich über meine Haut und die Ruhe der Stadt konnte auf einige gar unheimlich wirken. Die Straßen waren wie ausgestorben, nicht einmal die Laute von Tieren durchbrachen diese Stille. Langsam schloss ich das Fenster, aus dem ich beobachtet hatte, was vor meinem Haus geschah. Ein leises Knarzen war zu hören, was sich in der Nacht 100 mal stärker anhörte als es eigentlich sollte. Ich ging zu meinem Bett und holte die Waffe darunter hervor nur um gleich an die Türe meines Zimmers zu gehen und sie einen Spalt zu öffnen. Ich schätzte, dass meine Eltern schon schliefen und streckte mein Näschen aus dem Türspalt und sah in einen langen endlosen Dunklen Gang . Mein Gefühl hatte sich nicht getäuscht: alles war ruhig und der Weg somit auch frei. Meine Puppe Schnuffeline klemmte ich unter meinen Arm. Sie gab mir den nötigen Schutz, den ich brauchte, um das zu vollführen, was ich vorhatte.

    Meine Füße führten mich über den langen Flur und die Treppe hinunter zu unserer Haustüre. Ich ging den Plan, den ich vor langer Zeit gefasst hatte, immer wieder durch - heute war es soweit. Heute würde ich ihn in die Tat umsetzen. Ich fasste Mut und schloss meine Hand um die Klinke. Meine kleinen Finger griffen das kalte Metall und drückten es herunter. Langsam schwang die Tür auf und ich verschwand durch den Spalt nach draußen. Plötzlich huschte eine Maus vor meine Füße und über die Treppen in den Garten, wodurch ich ziemlich erschrocken zusammen zuckte. Nach einen kurzen Moment des Schocks -und einmal ordentlich Durchschnaufen - kam wieder Bewegung in meinen Körper und ich huschte durch den Türspalt, ließ die Türe aber angelehnt um im Notfall einen Rückzugsort zu haben.

    Die Schere in meiner Hand fühlte sich nicht weniger kalt an als der steinerne Boden, auf dem ich stand, und der meine nackten Füße regelrecht runterkühlte. Jeden kleinen Stein konnte ich unter meinen Füßen fühlen während ich zum Gartentor schlich und die Schere, die mir als Waffe diente, fest umklammert hielt. Mein Herz schlug mir bis zum Halse hoch; ich hatte Angst, dass alles auffliegen könnte, dass mich dieser griesgrämige Kerl mit dem dicken Bierbauch erwischen könnte. Doch ich riss mich zusammen! Vor dem Gartentor des Nachbarn blieb ich stehen und griff gezielt mit meiner linken Hand nach meinen Opfern, doch vor dem Köpfen blickte ich mich nocheinmal aufmerksam um. Bis auf eine schwarze Katze, die über die Straße lief, war keiner in der Nähe. Die Grillen spielten ihre Lieder und die Blätter raschelten im sanften Wind.

    Und dann ... schnitt ich sie ab. Ich wiederhole meine Tat mehrfach wie eine kaltblütige Mörderin. Es musste ja auch schnell gehen, ich war völlig fokussiert. Ich machte einfach weiter... bis ich einen schönen großen Rosenstrauß hatte, den ich am nächsten Tag meiner Mutter zum Geburtstag schenken konnte. Als ich genug hatte, ging ich wieder zurück in mein vertrautes Heim und richtete in der Küche eine Blumenvase mit den weißen Rosen, die ich eben beim Nachbarn geklaut habe. Meine Mutter liebte weiße Rosen, wie ich. Sie wusste nicht, dass ich so viel riskiert hatte. Aber durch das Fluchen des Kinder hassenden Nachbarn, der am nächsten Morgen vor seinem Rosenbusch stand und keine einzige Rose mehr erblickte, musste sie ahnen, woher ich die Blumen hatte.
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Kommentare 4

  • Motte -

    Das ist herzig! Ganz zu Anfang dachte ich "Oh nein, oh nein, was tut sie?" Aber die Auflösung war ein schöner Twist. Ich mag auch die Insider-Elemente wie Schnuffeline und die weißen Rosen, Symbole, deren Bedeutung man eben nur versteht, wenn man Orianna kennt. Sehr schön gemacht!