Die Ballade von Rosmarin und Thymian - Kapitel 3: Der Traum besteht, ewiglich

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen




  • Die Ballade von Rosmarin und Thymian - Kapitel 3: Der Traum besteht, Ewiglich



    Sylvari werden nicht geboren. Sie erwachen aus einen Traum, der ihr Sein bestimmt und verfolgt.
    So wie auch der Traum von Rosmarin und Thymian. Sie träumte von einem ewigen Band voller Gefühl und Geborgenheit, er jedoch von einen fernen Wald, Ranken und Dornen und setzte alles daran, viel über diesen Ort zu erfahren und auch dorthin zu reisen. So stark die Zuneigung beider Sylvari zueinander war, das Schicksal trennte sie, doch nur physisch. Emotional waren sie immer noch eins. Jeder von ihnen dachte an den anderen. Gebunden an ein Versprechen, immer für den anderen da zu sein, ihn zu beschützen und stets darauf zu achten, das Band zu bewahren. Rosmarin entwickelte sich zu einer loyalen und disziplinierten Hainhüterin, schlug sogar die Laufbahn eines Hainhüter-Schilds ein, um jene zu schützen, die ihr lieb waren. Thymian sammelte auf seiner Reise Geschichten und Lieder, lernte fremde Kulturen und Geschöpfe kennen, lernte ebenso, dass das Leben nicht nur gutes schaffte. Trotz, dass sich ihre Wege in entfernende Richtungen bahnte, wollten sie beieinander sein.
    Thymian nutzte jede Möglichkeit, Rosmarin einen Brief zukommen zu lassen. Manchmal tat er es persönlich, trotz verbot den Hain jemals wieder zu betreten, schlich er sich in die Kapsel seiner geliebten Schwester und hinterließ eine Nachricht mit einen Geschenk. Später überbrachte ein Rabe seine Nachrichten. Rosmarin bemerkte schnell, dass etwas passiert sein müsste. Seine fein geschwungene Handschrift liebenden Worte wandelte sich zu krakeligen, fehlerhaften Symbolen.
    Sie erfuhr von den Grausamkeiten der Menschen, ihren Drang zu zerstören, zu töten. Schon gefangen in Traurigkeit fühlte Rosmarin in Schmerz und Trauer zu ertrinken, zu ersticken.
    Sie wurde still, blass und setzte sich von anderen ab. Nur in der Sternenlaube redete sie, mit dem rot gedornten Barmann, der ihr so manchen Abend ein kleines Licht der Hoffnung schenkte.
    Der Zeitpunkt kam. Sie fasste den unabänderlichen Wunsch, Thymian zu finden und zurückzuholen. Sie wirkte stärker, die Traurigkeit im Gesicht verschwand, doch das Glänzen von Tränen in ihren Augen blieb. Ihre weißblaue Gestalt wandelte sich in den nächsten Tagen in einen bläulichen Grünton und marschierte ohne den Blick abzuwenden hinaus aus den Hain. Einige wollten sie ansprechen, zögerten und hielten sich dann zurück. Denn noch nie verspürten die anderen Sylvari bei ihr eine solche Entschlossenheit.
    Thymian, der blind und gebrochen im Dschungel von Maguuma wanderte, erkaltete. Der sensible Sylvari wurde still, eine Düsternis umgab ihn, wollte er doch seinen Traum finden. Neben allerhand merkwürdigen Geschöpfen, fand er auch solche, die ihm einen Weg zeigten, die ebenfalls seinen Ruf folgten. Und es mag heißen, er traf ihn auch, den großen Dschungeldrachen Mordremoth.
    Doch Thymian verwandelte sich nicht zu einen Mordrem. Er hat ein Versprechen gegeben, dem folgte er. Anscheinend betrachtete der Drache ihn nicht als Gefahr, so zog Thymian durch den Dschungel um die Orte zu besuchen, die ihm der Traum zeigte. Auch wenn er nun nichts mehr sah, nahm er die Umwelt mit den Sinnen wahr.
    „Thy … Thymian? Thymian! Bist du es? Bist du es wirklich?“, klagte eine vertraute Stimme. Eine zarte blasse Hand fasste die Schulter des Bruders. Er zuckte zusammen und drehte sich um. „Oh Geliebter, was … was ist nur geschehen?“ Rosmarin war erschüttert als sie sein Gesicht sah, die einst so klaren Augen mit violetten Glanz sind blass und kalt geworden. Tränen sammelten sich in ihren Augen und sie zog ihn zu sich heran. „Thymian! Thymian! Endlich! So sprich doch!“
    Müde hingen seine Arme hinunter, er umarmte sie nicht. Er war leer, verwirrt und so voller Schmerz. Stumm stand er da, mit der weinenden Sylvari-Schwester an der Brust. Er verstand ihre Trauer nicht. Er war froh, dass sie da war, aber er fühlte nichts. Sie verlor die Kraft in den Beinen und drohte zu Boden zu fallen, doch Thymian fing sie im letzten Moment auf und presste sie an seinen Leib.
    „Du hast mich gefunden. Du hast mich gesucht. Ich habe dich verloren. Dich nicht mehr gefunden. Im Dunklen, im Schatten. Verzeih.“
    Beide sagten nicht. Genossen die gewonnene Nähe. In der folgenden Nacht erzählten sie, was bisher geschah. Es war eine Nacht voller Trauer, Tränen und Trost. Beide Sylvari waren geschwächt, doch Thymian zeigte Orte, die Kraft spendeten. Frische Quellen, Bäume an denen seltsame Früchte wuchsen, die schon von einer Hand voll Kraft spendeten. Thymian zeigte mit Begeisterung den Dschungel, erzählte von dem Drachen und den Geschöpfen die ihm entsprungen. So, als wäre es eine neue Heimat. „Die Drachen stürzen Kryta in den Krieg. Auch wir Sylvari wurden mit hineingezogen.“ Er schüttelte heftig den Kopf, das kann nicht der Drache veranlasst haben, der hier im Dschungel hauste. Er erschafft schließlich Leben. Rosmarin nahm ihn daraufhin an die Hand und führte ihn weiter in den Dschungel. Sie befanden sich in der Nähe von den Absturzstellen der Paktluftschiffe. Thymian atmete den Ruß, den Brand und das Blut ein und war starr. Es flossen so viele Eindrücke in seinen Verstand umher. Das Flüstern war dennoch präsent und verdrehte die Bilder. Die Stimme erzählte ihm, die Menschen würden den Dschungel zerstören wollen, so wie auch den Hain aus dem er stammte.
    „Nein!“, rief er aus und riss sich von seiner Schwester los, die flehend die Hände nach ihm streckte. „Was soll das? Du zeigst mir, wie die Menschen diesen Wald niederbrennen? Ihn roden und töten? Was fällt dir ein? Was? Sag es! Du bist doch nichts anderes … .“ Er ballte die Fäuste und blickte mit seinen leeren Augen zu Rosmarin, die den Tränen nah war. Sie sank auf die Knie und schluchzte. „Du verstehst es nicht. Der Drache, er ist die Stimme. Er tötet. Er erschafft Mordrem. Sie töten in seinen Namen. Er tötet. Er wird die ganze Welt ins Verderben stürzen. Er schickte seinen Schatten sogar in den Hain. Mutter ist geschwächt.“ Das Lavendelhaupt stand da, blickte streng auf Rosmarin herab, doch die Strenge verschwand rasch. „Ros...-“ Er begann zu sprechen, doch dann versteinerte er für einen Moment. Sein Blick reichte in Richtung Drachenhort. Und plötzlich riss ihn ein starker Schmerz zu Boden und schrie. Rosmarin kroch zu ihm um ihn zu halten, fragte ihn panisch was passierte.
    Thymian spürte den Schmerz, den der Drache erfuhr, als er niedergestreckt wurde. Es war nur ein Moment des unerträglichen Schmerzes, dann lag er mit dem Blick zum Himmel auf dem Boden.
    Rosmarin bemerkte wie sich die Ranken zurückzogen, wie die wilden Geräusche ruhiger wurden.
    Thymian lag nun dort, mit dem Haupt auf ihrem Schoß, wirkte wie schlafend. Sie rief ihn an, immer und immer wieder. Ihr Herz zersprang in tausende Scherben, aus Angst, ihn immer verloren zu haben. Langsam rührte sich sein Leib und er wirkte wie verloren. „Thymian? Liebster Bruder? Bist du bei mir?“, zitterte ihre Stimme. Er verzerrte das Gesicht und flüsterte nur: „Immer. Ich bin immer bei dir.“ Und dann zierte das bekannte, fast vergessene Lächeln auf seinen Lippen, das sie so vermisste. Er richtete sich langsam auf und hielt seinen Kopf. Er nahm den Duft Rosmarins wahr und sprang förmlich in ihre Arme. Sie war so überrumpelt und so überfroh. Sie seufzte erleichtert. „Du bist wieder da. So schön!“, hauchte sie.
    Sie schöpften noch etwas Kraft und beschlossen gemeinsam zurück in den Heim zu ziehen. Thymian hegte etwas Zweifel, nach dem was so geschah. Ob er wohl willkommen sei?
    Hand in Hand verließen sie den Dschungel, über Wurzeln und Ranken. Die Reise wird lang. Das wussten sie. Doch wie es schien, reichte die Zeit nicht, um sich alles zu erzählen was sie erlebten. Thymian erzählte ein paar Geschichten, sang sogar das eine oder andere Lied, doch begleitet von einer merkwürdigen Schwere in der Stimme.
    Sie bemerkte, dass sich ihr geliebter Bruder unwohl fühlte, je weiter sie sich vom Dschungel entfernten, doch sie machte es ihm so angenehm wie möglich.
    Sie klammerte sich an seinen Arm und schmiegte sich an. „Es ist schön mit dir wieder Heim zu kommen, weißt du?“ Er jedoch brummte nur leise, jedoch zustimmend. „Mutter wird dich sicher empfangen. Es wird ihr sicher gut tun, ein verlorenes Kind wiederzusehen.“
    Zögerlich nickte er und setzte mit seiner Schwester den Weg fort...

Kommentare 0