Ende und Neuanfang

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  • Achtung, enthält Story-Spoiler


    Vor etwas mehr als einem Jahr; Feste der Wachsamen - Monate waren seit dem Einsatz und dem Desaster rund um die Götterdämmerung vergangen, welcher dafür gesorgt hatte, dass Grom - aus seiner Beurlaubung zurückgekehrt - mitsamt dem Rest der Siebten in der Feste festsaß…

    Grom stapfte schwerfällig durch die langen Korridore der Feste, auf dem Weg zu einem ganz bestimmten Büro. Kriegsmeister Lathams Büro. Sein direkter Vorgesetzter, und wohl der Sylvari, den er im Moment am wenigsten leiden konnte. Seit mehreren Wochen schlug er sich mit dem Untersuchungskomitee herum, dass die Geschehnisse rund um ihren letzten Einsatz aufarbeiten sollte. Nachdem sie ihre eigene, interne Untersuchung abgeschlossen hatten, quälte man ihn und den Rest der Truppe mit endlosen Befragungen, Diskussionen um den Ablauf der Mission und dem einen oder anderen Streitgespräch, nur um dann doch wieder das zu hören, was eigentlich alle schon wussten - angeführt und geleitet wurde das Ganze von Latham. Und der raubte Grom langsam den Verstand. „Verflammt noch mal…“ brummte er genervt auf seinem Weg, der schließlich ein Ende fand. Er stand vor der schweren Doppeltür, wusste nicht mal, ob Latham überhaupt da war. Immerhin war er einfach ohne Termin aufgekreuzt, um die Sache aus seiner Sicht ein für alle Mal klarzustellen. Um seinen Standpunkt, der ihm vor dem versammelten Komitee garantiert den Rauswurf eingebracht hätte, darzulegen. Ein Gespräch unter vier Augen sollte es deswegen sein. Er biss die Lefzen zusammen, knurrte kurz. „Dann wollen wir mal. Auf in die Schlacht.“ Beherzt klopfte er an der Tür, wartete dann gespannt auf eine Antwort von drinnen - die nach einem Moment mit einem kurzen, ruhigen, aber dennoch deutlich hörbarem „Herein.“ folgte.
    Damit betrat Grom das Büro. Betrachtete kurz die schweren Regale, die bis oben hin mit Büchern und Akten gefüllt waren. Den Teppich auf dem Dielenboden. Schließlich den wuchtigen Schreibtisch mit mehreren fein-säuberlich gestapelten Akten darauf und den viel zu großen Sessel, in dem der eher klein gewachsene, mit seinem grau-blauen Blattwerk unauffällig wirkende Sylvari in seiner Lederrüstung saß, der sein Vorgesetzter war.

    Kriegsmeister Latham nahm vom alten Grom zuerst keine Notiz, hatte seine knorrige Borkennase tief in ein Blatt Papier versenkt und schien aufmerksam zu lesen. Erst als der Charr vorgetreten war und sich deutlich räusperte, lenkte sich der Fokus der ebenso bläulich schimmernden Augen auf ihn. „Kriegsmeister Spitzklaue. Was führt euch ausgerechnet zu mir? Und.. das auch noch ohne Termin?“
    Grom brummte. Latham liebte seine Termine, auch so eine Eigenart, die er nie verstehen mochte. „Dachte, ich komme mal vorbei - und wir reden. Unter vier Augen.“
    Der Sylvari schrägte leicht den Kopf, nickte dann aber doch und deutete mit der rechten Hand auf den einfacheren Sessel der vor dem Schreibtisch stand. Grom nahm also Platz. „Also.. worüber wollt ihr sprechen, Kriegsmeister?“
    Der Charr schnaufte kurz, kam dann gleich zur Sache. „Ihr wisst genau, worüber ich mit euch reden will, Kriegsmeister.“ - „Hm.. der Einsatz, nehme ich an. Wenn ihr doch noch mehr darüber zu sagen habt, dann solltet ihr das eher vor dem Komitee tun. Und nicht priv-“
    Grom knurrte, würgte Latham dann forsch ab. „Verflammt noch mal, glaubt ihr wirklich, ich weiß nicht, wie das hier läuft? Wenn ich vor dem Komitee sage wie‘s hätte laufen sollen, dann werfen sie mich geschlossen raus. Ist nicht so, als hätt‘ ich das Gerede nicht mitbekommen. Von wegen, Spitzklaue wird langsam zu alt und zu weich für die Sache.“
    Erst nach dem kurzen Wutausbruch hielt der alte Charr wieder inne, starrte sein Gegenüber an. Der Sylvari indes hatte erst die Stirn in Falten gelegt, als er so abrupt unterbrochen wurde, lauschte dann aber. Schließlich nickte er, als Grom fertig war. „Schön.. Ihr habt also eure eigene Sicht der Dinge und glaubt, man könnte sie euch zu Lasten legen. Dann.. lasst mal hören, Kriegsmeister. Wie hätte es denn laufen sollen?“
    Grom schnaufte mal durch. Er entspannte sich gar ein wenig - immerhin wurde er nicht sofort aus dem Büro geworfen - dann sprach er mit ruhigem Bass weiter. „Also.. erst Mal, warum hat man eine einzige Kompanie einem, der Datenlage nach, überlegenen Feind hinterher geschickt? Und dann auch noch ohne große Mittel? Warum mussten wir uns die verflammte Überfahrt nach Elona selbst organisieren? Wenigstens ein paar Recken mehr und ein, vielleicht zwei Luftschiffe. Wenn das nicht drinn gewesen wäre, wenigstens ein solides und schnelles See-Kriegsschiff. So haben wir schon Wochen auf dem Weg ins Operationsgebiet verschwendet und mussten uns dann mit minimaler Ausrüstung durchschlagen. Ich weiß, dass zu dem Zeitpunkt schon Vorbereitungen liefen, wegen dem ganzen Theater um Kralkatorrik und Balthasar - aber ich dachte, die Sache hat höchste Priorität.“
    Lathams Gedankenpause fiel kurz aus, nachdem Grom fertig war mit seiner Erklärung. „Nun, wie ihr sicher wisst, Kriegsmeister, hat der Pakt erst vor ein paar Tagen damit begonnen, den finalen Angriff auf Kralkatorrik einzuleiten. Und genau darauf hat man sich intensiv vorbereitet. Die Götterdämmerung… war ein Teil dieses Plans. Womöglich sogar ein entscheidender. Ja, die Sache hatte also höchste Priorität. Allerdings, wie es mit solchen Operationen immer ist, unterlag die Sache strengster Geheimhaltung. Ich war der Ansicht, ich schicke meinen besten Mann los, mit der fähigsten Truppe. Mir war klar, dass für diesen Einsatz kein Großaufgebot an Material zur Verfügung gestellt wird, einfach weil es zu viel Aufsehen erregt hätte. Und ich dachte eigentlich, dass die Siebte Kompanie, angeführt von euch Kriegsmeister, der Sache schon gewachsen wäre. Immerhin habt ihr das Eisklamm-Massaker überlebt. Habt euch durch Orr gekämpft, seid heil aus dem Maguuma-Dschungel zurückgekehrt. Ich habe mich wohl getäuscht, da ihr euch von einem durchgeknallten Inquestur-Sympathisanten habt überrumpeln lassen, der jetzt immer noch irgendwo da draußen frei herumläuft.“
    Kalt klangen die Worte. Eiskalt und empathielos. Grom wurde es dafür wieder heißer, die Ohren zuckten. Blinde Wut kochte in ihm hoch. „Ihr habt also geahnt, wo ihr uns reinschickt, und habt nicht mal versucht, dafür zu sorgen, dass wir wenigstens ein Luftschiff und ordentliche Ausrüstung haben?! VERFLAMMT NOCH MAL LATHAM!“ Grom schnaubte laut. „Wisst ihr, was das heißt, Kriegsmeister?!“ Grom stierte dem Sylvari tief in die Augen, der schrägte nur leicht den Kopf. „Ihr steckt genau so in der Scheiße wie mein Trupp und ich. Denn eigentlich habt Ihr es vergeigt - Ihr schickt uns blind drauf los, selbstorganisiert, ohne Mittel. Was der Rest vom Komitee wohl sagt, wenn ich das erkläre?“
    „Das Komitee weiß es bereits. Außerdem wurde meine Planung genau so abgesegnet. Hat es damit das Oberkommando in euren Augen genau so.. vergeigt?“ Latham schmunzelte. Es war selten, dass er so ein Wort benutzte.
    Grom knurrte dafür umso tiefer. „Warum werd‘ ich das Gefühl nicht los, das Ganze hier ist ein verflammtes Spiel. Wie auch immer.. wie lange soll das hier jetzt noch dauern? Wie lange sollen meine Leute und ich hier noch bei Training, Festen-Dienst und freien Tagen in Löwenstein versauern? Da draußen tobt ein Krieg und wir ziehen gegen den Drachen in die Schlacht, weswegen es den ganzen Laden hier überhaupt gibt! Und bis jetzt.. hab‘ ich noch keinen Marschbefehl auf meinem Schreibtisch.“
    Noch während Grom Dampf abließ, schüttelte Latham immer wieder nur sachte den Kopf. Als er fertig war, ging das Streitgespräch nahtlos in die Gegenrede über. „Den wird es nicht geben, Spitzklaue. Ich bin der Ansicht, dass eure Truppe.. und vor allem Ihr, noch nicht soweit seid. Das ganze Schauspiel hier, bestärkt mich nur darin. Übermorgen findet die Abschlussbesprechung des Untersuchungskomitees statt. Danach entscheidet sich, wie es mit euch und eurer Truppe weitergeht, Kriegsmeister. Ihr.. seid natürlich auch herzlich eingeladen, dem ganzen beizuwohnen. Falls ihr dabei noch etwas sagen wollt, habt Ihr ja noch einen Tag Zeit, euch etwas zu überlegen.“

    Diese Spitze von Latham war zu viel für Grom. Der alte Charr sprang vom Stuhl auf, ballte bedrohlich die Fäuste, spannte die Armmuskulatur an, dass die Riemen der Rüstung nur so knirschten. Dann griff eine Pranke zu seinem Waffengurt, wo er sein Schwert löste, es in beide Pranken nahm - und es dann Latham einfach auf den Schreibtisch knallte. „Wisst Ihr, was ihr mich mit eurer Abschlussbesprechung könnt, Latham?! Mir den pelzigen Hintern knutschen! Das könnt Ihr!“ Aber Grom war noch nicht fertig. Nach dem Schwert schnallte er sich die Brust- und Rückenplatte seiner Rüstung ab und fügte diese lautstark der kleinen Ausrüstungssammlung auf dem Tisch hinzu. Das Holz knirschte bedrohlich, und auch die fein säuberlich gestapelten Akten hatten der Wucht von mehreren Kilo Wachsamenstahl nichts entgegen zu setzen und rutschten in sich zusammen. Latham zuckte erschrocken zurück, nicht das er fast noch mitsamt Sessel umgekippt wäre. Damit hatte er nicht gerechnet. „Das war‘s doch, was ihr wolltet! Das ich hinwerfe! Glückwunsch - habt ihr geschafft! Ich verzieh‘ mich! Bin hier sowieso fertig…“ Damit machte Grom dann prompt kehrt und stiefelte mit rasselndem Kettenhemd und schweren, wütenden Schritten zur Bürotür. Latham, der einen Moment brauchte um sich von dem Schock zu erholen, war in seinem Sessel zusammen gerutscht und lugte nur noch gerade so hinter dem Schreibtisch hervor. Schließlich erhob er doch noch mal vorsichtig die Stimme. „Spitzklaue… wenn ihr jetzt geht wisst ihr, was das heißt, oder? Nach.. der Aktion hier kann ich nichts mehr für euch tun!“ Als Antwort hielt Grom kurz inne - nur um dann auch noch eine Armschiene scheppernd auf die Ausrüstung auf dem Tisch zu werfen, wodurch Latham letztendlich komplett hinter dem Schreibtisch in Deckung ging. Dabei blieb es dann aber auch und Grom ließ das Büro hinter sich.

    ***


    Ein Jahr später, im hier und jetzt, hatte es sich ein alter, schwarzer Charr mit ein paar grauen Haaren mehr an den Docks in Löwenstein gemütlich gemacht. Er kam oft hier her, beobachtete das Treiben im Hafen, während er dort, etwas abseits, seine Wasserpfeife rauchte. Nach dem Wutausbruch damals hatte er noch am selben Tag kurz mit seiner Truppe und anderen befreundeten Wachsamen geredet - und dann die Feste in Zivil verlassen. Diesmal endgültig. Das Komitee hatte natürlich trotzdem getagt, und wie abzusehen war, wurde er entlassen. Allerdings nicht unehrenhaft, da er zum Festen-Arzt einen guten Draht hatte. So kam Grom mit einem sprichwörtlichen blauen Auge davon, da sein kleiner Wutausbruch als Folge einer Belastungsstörung deklariert wurde. Latham hatte erstaunlicherweise nichts dagegen einzuwenden. Wenig später erfuhr er, dass auch der Sylvari seinen Posten räumen musste. Anscheinend war bei seiner Einsatzplanung doch nicht alles mit rechten Dingen zugegangen, und man bot ihm daraufhin gar die Rückkehr in den aktiven Dienst an. Die lehnte Grom aber dankend ab. Er war fertig mit den Wachsamen und dem Pakt, verfolgte das Geschehen ab da als Außenstehender.

    „Hrm..“ Grom zog an der Pfeife - und entließ dann eine große, weiße Wolke in den Löwensteiner Abendhimmel. Seit seinem Abtreten bei den Wachsamen hatte er sich es in der Hafenstadt bequem gemacht und hatte ab und an sogar noch Kontakt mit seinen ehemaligen Kameraden. Ansonsten schlug er sich tagsüber mit Gelegenheitsarbeit durch. Mal Fracht verladen hier, mal Leibwächter für einen Löwensteiner Neureichen spielen dort. Abends trieb er sich dann in einer der unzähligen Spelunken der Stadt herum. Eigentlich war es wie früher, wie in der Zeit vor den Wachsamen. Und doch war alles anders. Wahrscheinlich würde er nie mehr auf dem Schlachtfeld stehen, gerade jetzt wo es an so vielen Ecken gleichzeitig brannte. Auch wenn der Pakt Kralkatorrik besiegen konnte, war noch lange nicht alles in Ordnung. Er hatte gehört was sich bei seiner alten Legion zusammengebraut hatte. Ein ausgewachsener Bürgerkrieg. Charr gegen Charr. Und auch, dass Jormag wohl seine kalten Klauen mit im Spiel hatte. Dazu noch das Chaos beim Pakt und speziell bei den Wachsamen - hatte er doch ebenso durch seine Kontakte mitbekommen, das Generälin Seelenhüter angeblich als Verschollen gilt. Andererseits, dachte er, war das einzige, was im Moment zählte, er selbst. Es juckte ihm in den Klauen. Er dachte nach, rauchte die Pfeife gar zuende. Als sein Zeug ausgekühlt war räumte er zusammen, erhob sich von der Kaimauer und blickte runter in die Docks, ehe die Augen an einem Anschlagbrett hängen blieben. Grom brummte. „Mal sehen, ob‘s für einen alten Kater irgendwo noch dauerhafte Beschäftigung gibt.“ Damit tigerte der alte Charr in aller Seelenruhe zu den Aushängen, sah sich mal an was gerade so anstand…

    - Fortsetzung folgt?


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