Der Kompass

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  • Charakter: Riotea

    Hufschläge und das knarren und poltern eines großen Holzkarrens in schnellem Galopp hallten über die Wiesenlandschaft und ließen den Boden unter ihren Füßen immer mehr erbeben, je näher er kam. Gerade war sie noch im Kloster gewesen und hatte Besorgungen abgeholt, wollte zurück nach Götterfels und sie abgeben. Der Karren mit dem Doppelgespann kam mit einem rasanten Tempo von hinten auf sie zu. Riotea konnte sich nur mit einem Hechtsprung von der Straße retten und landete hinter einem kleinen überwuchertem Begrenzungszaun am Hang.
    Unter den Hufen der beiden bulligen Dolyaks schien die Straße nachzugeben, ihre Hufe gruben sich tief in die vor langer Zeit gepflasterte Straße. Das Tempo ließ den Karren wild auf dem Kopfsteinpflaster hin und her springen und haltlos seine scheinbar ungesicherte Ware verlieren. Erst als die Hufschläge in der Ferne verhallten, stand sie aus dem Gras auf und sah dem scheinbar flüchtenden Händler nach. Das bunte Zaumzeug der Tiere, sie hatte es wiedererkannt. Der Händler war regelmäßig zwischen dem Kloster Eldvin, dem Altarbach-Handelsposten, Dorf Shaemoor und Götterfels unterwegs gewesen um zu handeln und zu tauschen. Auf dem Weg lagen die Überreste seiner Waren. Zerborstene Fässer der Seraphen mit Suppe, zerschelltes Glas von Weingläsern und zertrümmerte Kisten oder ein aufgerissener Sack Saatgut. Verwirrt und verwundert ging sie wieder auf der Straße gen Westen und sah auf die tiefen Spuren, die der Karren hinter sich gezeichnet hatte. Zwar konnte sie in der Hektik das Gesicht des Händlers nicht sehen, aber die Tiere waren aufgepeitscht und fast panisch gewesen.
    Wieder polterte es. Nur waren es dieses Mal keine Hufschläge. Schwere Schritte, dumpfes Trampeln. Nein, das waren keine Dolyaks, kein Holzkarren. Es waren auch keine Zentauren vom Schnorrer-Plateau. Kein Seraphentrupp in Plattenstiefeln oder eine Gruppe wütender Ettins. Wirklich herausfinden wollte sie es aber nicht und entschied sich vorsichtshalber wieder den Hang hinter zu gehen und im hohen Grase zu verstecken. Es dauerte auch nicht Lange, da kamen die Schritte näher.
    Ein bulliger Mensch auf einem stämmigen schwarzen Raptor führte die Gruppe an. Direkt hinter ihm ein Asura auf seinem grellen Rollkäfer. Auf einem schlanken Schakal folgte ein Sylvari, so grün wie Moos. Der Vierte Mann war ein dürrer und schlaksiger, auf einem wesentlich schlankeren und kleineren, Raptor. Die Reiter schienen Riotea nicht zu bemerken. Es fiel kein Blick auf sie und auch das Tempo wurde nicht langsamer. Wie Springböcke stiegen die Tiere über die kaputte Ware auf dem Weg oder trampelten die Überreste weiter in die steinerne Straße und verfolgten den Karren wie hetzende Wölfe.
    Noch verwirrter als zuvor sah sie der ungewöhnlichen Herde nach und traute sich auch erst wieder auf den Weg, als sie sich sicher war, dass keine weiteren Gefahren auf sie zukommen würden.
    Die Straße sah wie verwüstet aus. Das kaputte Fass das in ihrer Nähe zersprungen war, lag in einer Pfütze die kaum noch an eine Suppe erinnerte. Kopfschüttelnd dreht sie sich zur Kurve und umging alles, was der Händler in seiner Flucht verloren hatte. Aufgesprungene Kisten mit Stoffen und Erzen, Säcke mit Seifen, Samen oder Trockenfleisch. Riotea musste sich zwangsläufig vorstellen wie bald streunende Hunde oder die Wölfe über das Trockenfleisch herfallen würden.
    Er hatte sogar die Tasche mit seinen eigenen Habseligkeiten verloren. Kamm, ein Holzteller der beim Aufprall zersplitterte, daneben eine nun verbogene Gabel und ein Brotmesser. Ein Hemd das von den Reitern niedergetrampelt worden war und ein Humpen.
    Er tat ihr leid, aber als sie sich gerade Gedanken machen wollte, warum er verfolgt wurde, fiel ihr eine Ledertasche auf. Sie lag halb verdeckt im hohen Gras am Wegesrand. Das dunkle Leder war mit einem Pirscherzahn verschlossen und unversehrt. Sie nahm die Tasche auf und starrte diese einen Moment lang an. Stellte sich die Frage warum sie das eigentlich gerade getan hatte und konnte sich keine Antwort geben. Beim Gedanken daran die volle Tasche einfach mitzunehmen, kam sie sich ein bisschen wie ein Dieb vor. Einen wirklichen Grund die Tasche mitzunehmen hatte sie auch nicht, im Gegenteil. Sie wusste nicht warum sie sich den Riemen der Tasche über die Schulter warf und damit über das Schnorrer-Plateau zurück nach Götterfels ging. Aber sie tat es.
    Doch etwas verunsichert ob das mitnehmen der Tasche eine gute Idee war, ging sie zurück ins Salma-Viertel, zurück zu Lyudes Haus. Weder Lyude noch Jivanta waren zu Hause, zum Glück, Riotea wollte ihnen noch nicht erklären was passiert war.
    Kippte die ganze Tasche auf den Boden vor dem Ofen aus und sah sie auf ihre Beute. Ein völliger Wirrwarr aus Kleinkram und ein Kompass. Aber er war kaputt, egal wie sie ihn hielt, er zeigte immer irgendwo hin, aber nicht in die gleiche Richtung. Sie drehte ihn hin und her, dann um und fand ein kleines Fach. Bei den Gegenständen war auch ein Immergrün-Magnetstein. Sie hatte keine Ahnung wie ein Kompass wirklich funktionierte, also legte sie ihn einfach rein. Der Kompass begann grünlich zu leichten, die Nadel ruckelt kurz und deutete auf ein zusammengeknülltes Pergament. Ohne groß darüber nachzudenken, stellte sie ihn bei Seite und nahm sich das zerfetzte Stück Pergament. Es war nicht nur sehr verblichen, auch stellenweise durchlöchert. Vorsichtig breitete sie die Reste auf dem Boden aus. Dass es eine Karte war, konnte sie nur wage an bestimmten Punkten erkennen. Götterfels als runde Stadt war gut zu erkennen. Der große imperiale Schmelzofen der schwarzen Zitadelle und die Küste an der Löwenstein sein sollte.
    Ein ebenso grüner Punkt auf der Karte war zu sehen. Vorsichtig zog sie die Karte näher, der Punkt blieb auf der Karte, es war also kein Licht das durch die Fenster schien. Sie pustete darüber, aber auch da blieb der Punkt. Kein Fussel also. Erst dann fiel ihr auf, dass der Punkt dieselbe Farbe hatte, wie das Leuchten vom Kompass. Egal wie sie die Karte bewegte, der Punkt blieb auf der gleichen Stelle der Karte.
    Amüsiert von dieser Spielerei, tauschte den Immergrün-Magnetstein gegen die kleine Phiole mit roter Flüssigkeit. Der Kompass leuchtete rot. Ein ebenso roter Punkt erschien an anderer Stelle auf der Karte und ließ sich nicht verändern.
    Aufgeregt sammelt sie wieder alle Sachen zusammen und machte sich auf die Suche nach Thimorn und Sharatur. Das mussten sie sehen.

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