Abschied von dir

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    Charakter: Riotea

    “Was soll das heißen? Ihr habt euch getrennt?”
    Riotea war außer sich vor Wut. Schrie Lyude lautstark an.
    “Getrennt, du hast mich schon verstanden.”
    “Ly, was soll der Blödsinn? Du liebst ihn über alles! Ich habe das Funkeln in deinen Augen gesehen. Du warst noch nie so glücklich und jetzt hast du sogar den Brautstrauß gefangen!”
    Er antwortete ihr nicht, sondern packte weiter seinen Rucksack.
    “Verdammt rede mit mir! Ich weiß doch vom Heiratsantrag! Was ist passiert?”
    Wieder schweigen. Aber immerhin hielt er inne und drehte sich wieder zu ihr um.
    “Komm schon Ly, was ist passiert? Hat er abgelehnt?”
    Erst nur ein langes seufzen, dann drehte er den Kopf weg.
    “Das Leben. Das Leben passiert und wir müssen damit umgehen. Also werden Entscheidungen getroffen und so sieht nun einmal diese Entscheidung aus.”
    Seine Stimme war leise und irgendwie verbittert. Ratlos stand Riotea einfach nur da und sah ihn an. Ohne ein weiteres Wort drehte Lyude sich wieder um und packte weiter irgendwelche Gegenstände in den Rucksack.
    “Und jetzt? Was machst du da überhaupt?”
    Lyude antwortete erst, nachdem auch die Gin Flasche von Weiolet im Rucksack verschwunden war.
    “Packen.”
    Genervt rollte Riotea mit den Augen und griff ihm dann einfach ans rechte Handgelenk. Er hatte bereits seine Kampfrüstung an. Dunkles Leder, mit Zähnen von Tieren.
    “Ich bin nicht Blind und du nicht dumm. Also? Was soll das?”
    Ihr strenger Blick wurde gekonnt ignoriert. Er war nicht einfach Abweisend, er war Kaltherzig. Als hätte er eine Blase aus Eis um sich.
    “Ich verlasse Götterfels. Es geht zurück nach Elona. Mit dem erstbesten Schiff, das ich auf die Schnelle finden konnte.”
    Fassungslos sah sie ihn an.
    “Du willst was? Ist das dein Ernst?”
    Nickend riss er sich los und packte die restlichen Sachen vom Tisch ein. Sein geliebtes Gewehr lag quer hinter dem Rucksack. Sie konnte noch die Kette sehen, auf dessen Anhänger er mit Neal zu sehen ist.
    “Ja, dieses Mal ist es mein voller Ernst. Nur mache ich keinen Ausflug, sondern bleibe dort.”
    Unfähig zu reagieren, stand Riotea nur da. Wusste nicht was sie tun, was sie sagen sollte.
    “Warum... bleiben? Ly deine ganze Familie ist hier!”
    Ob das Schnaufen abfällig oder genervt war, konnte sie nicht heraushören. Aber er verschnürte den Rucksack und setzte ihn auf. Nahm sein Gewehr und sah sie an.
    “Ja, das weiß ich. Du hast Thimorn an deiner Seite, Weiolet jetzt Artemis. Sharatur kann auf sich aufpassen.”
    Riotea stockte kurz.
    “Und... Jivanta?”
    “Jivanta hat Fanny.”
    Mit diesen Worten verließ er das Haus. Seine Schritte machten klar, dass er angefressen war. Die Diskussion nicht wollte. Riotea warf nur hinter sich die Tür zu und rannte ihm nach.
    “Warte doch mal! Willst du jetzt einfach wegrennen?”
    Lyude blieb nicht stehen, sondern ging weiter hoch zum Tor und verließ das Salma-Viertel zum oberen Ring und geradem Weg zum Portal nach Löwenstein. Antwortete nicht sondern verschwand einfach hindurch, ohne auf Riotea zu achten. In Löwenstein angekommen, ging er geradewegs zu den Docks. Sie rief ihm immer wieder nach, aber reagierte nicht. Erst vor dem Schiff hielt er an und drehte sich um.
    “Wegrennen, flüchten, nenn es wie du willst. Ich verschwinde jedenfalls!”
    Seine Stimme war rau, aber kurz vorm brechen. Er ballte die Fäuste und schloss die Augen. Sie wusste genau wie es in ihm aussah, aber schwieg. Mit einem langen seufzen ließ er die Schultern hängen.
    “Es tut mir leid, ich wollte dich nicht anschreien.”
    Momente des Schweigens. Sah sie ihn nur aus traurigen Augen heraus an.
    “Deshalb kommst du nicht wieder, oder? Du hast... von jedem von uns etwas dabei... Weiolets Tigeraugenstein... Neals Kette... Jivantas Dolch...”
    Keine Antwort, nur das abwenden seines Blicks. Sie wusste was kommen würde.
    “Nur von dir habe ich nichts.”
    Fast hätte sie ihn nicht gehört. Aber er hatte recht. Zögerlich griff sie in ihren rechten Stiefel und holte ihren Dolch hervor. Ein einfacher schnitt und sie hatte eine große Locke von sich in der Hand. Hielt sie ihm einfach entgegen.
    “Ich weiß was du tun willst und warum die ganzen Sachen eingepackt hast. Vielleicht können andere dich nicht verstehen, aber ich tu es. Ich stand schon einmal mit dir so wie jetzt zusammen.”
    Keine Reaktion, aber er wusste genau was sie meinte und nahm ihr die Locke ab. Riotea sah ihn nur an.
    “Danke... für alles.”
    Sie schüttelte nur den Kopf und sah ihn an.
    “Geh... ich regle das hier alles.”
    Mit ihrer Locke in seiner Faust nickte er ihr nur zu und ging die Planken zum Schiff hoch. Sie wollte nicht sehen wie das Schiff ablege und ging. Stellte sich nur die Frage, wie viel eine einzelne Seele ertragen kann, bis sie bricht und nahm das Portal zurück nach Götterfels.


    Das Schiff war schon längst außer Reichweite von Löwenstein, der Horizont war leer, der Himmel Wolkenlos. Die Sonne war schon halb untergegangen. Er stand an der Reling und hatte längst angefangen den Gin zu leeren. Der Alkohol schien keine Wirkung zu haben. Der Geist war klar, der Blick offen. Rioteas Locke hatte er noch immer in der Faust. Neals Kette hatte er vom Gewehr genommen und um den Hals gelegt.
    Der Gin war gelehrt, als die Sonne untergegangen war und sich der silberne Sichelmond zwischen den Sternen auftauchte. Längst hatte er seine Kleider gewechselt. Sein bestes Hemd, die feine Hose und reich bestickte Weste mit den edlen Schuhen an. Rückte noch einmal das Tuch um seinen Hals zurecht. Dann schloss er die Augen und ließ er sich über die Reling ins Wasser fallen.
    Er sank, sah das Licht der Sterne und des Mondes verzerrt durch die Wasseroberfläche und spürte wie er wieder Auftrieb. Die seichten Wellen umspielten seinen Körper. Es war Eiskalt, aber das war ihm egal. Sein Blick fiel direkt auf den Mond, als er die Augen öffnete. Die Kälte ließ seine rechte Hand verkrampfen, aber so würde er die Locke nicht verlieren.
    Die linke Hand hielt den reich verzierten Dolch. Einen Moment hielt er ihn noch treibend gen Mond und sah ihn an, dann nahm er alle Kraft die ihm die Kälte übrigließ und rammte sich die Klinge in den Bauch. Der Schmerz war überraschend wenig. Seine Gefühlswelt, der Alkohol oder die zunehmen in seinen Körper kriechende Kälte sorgten dafür.
    Meerwasser würde das Blut schnall aus seinem Körper spülen und es dauerte auch nicht lang, bis er spürte wie er schwächer wurde. Seine Gedanken nebelig wurden. Die Hand löste sich vom Dolch und rutschte zurück ins Wasser. Die Augen auf den Sichelmond gerichtet, sank sein Körper zurück in die Tiefe. Entweder die Kälte, Atemnot oder der Blutverlust. Doch es war ihm egal. Er hatte seinen so geliebten Mond ein letztes Mal in voller Pracht sehen dürfen und schloss die Augen. Er wusste, dass er Tod ist, bevor er auf dem Meeresgrund liegen würde. Die Augen konnten schon längst nichts mehr sehen, als ihm Bilder durch den Kopf gingen. Ein Schmunzeln ohne Reue zeigte sich ein letztes Mal auf seinen Lippen, bevor er ins Nichts der Dunkelheit versank.

Kommentare 8

  • Rupa -

    :O

  • Harlem -

    Schön beschrieben! Gefällt mir, die Geschichte - auch wenn die Umstände doof sind.

    • Riotea -

      Danke! Die Umstände sind bewusst grob und dadurch vielleicht doof gehalten. Denn was dahinter steckte, was passiert war, soll nicht bekannt werden.

  • Diadrah -

    Sehr tragisch, wenn ein Charakter im Freitod endet. Schön geschrieben.

    • Riotea -

      Es klingt vielleicht schlimmer als gewollt, aber keiner sollte den Tod verschuldet haben. Keiner ihn dazu gezwungen. Er wollte es aus freien Stücken und hat dabei seine beiden letzten Wünsche erfüllen können: Von seinen Schwestern und Geliebten etwas bei sich und den Mond noch einmal in voller Pracht sehen.
      Er war glücklich und das alleine zählt für mich.
      Denn ich denke mit einem Lachen an seine Zeit, nicht mit Tränen.

    • Diadrah -

      So sollte man am Ende auch an die Zeit mit einem Charakter zurückdenken.
      Aber auch wenn keiner Schuld daran trägt, so wäre es vielleicht nicht passiert, wenn die Liebe nicht zerbrochen wäre. Also mein Gedanke dazu. Am Ende ein angenehm zu lesender, aber eben trauriger Abschied ohne einen der Charaktere daraus zu kennen.