Artikel mit dem Tag „Geschichten“

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  • Gahan war sich mittlerweile garnicht mehr sicher, wie lange er schon unterwegs war. Eine Woche? Vielleicht zwei? Oder ist doch schon ein Monat ins Land gezogen? Er wusste es nicht. Doch war dies auch nicht von Bedeutung, so hatte er eh nicht vor in nächster Zeit nach Hoelbrak zurück zu kehren. Gahan hatte nichts was ihn dort hielt, weder Familie noch besonders viele Freunde. Selbst die Geister hatten ihm noch nie sonderliche Aufmerksamkeit geschenkt, so hatte er nie das Glück, wie die meisten seines Volkes von einem der Geister im Traum besucht worden zu sein. Er war gerade mal Anfang Zwanzig und so war er noch nie alleine so lang und so weit von Zuhause entfernt, doch dieses Gefühl, welches er seit nun einiger Zeit in sich hatte, verließ ihn nicht. Es tauchte ständig in seinen Träumen auf und plagte seine Gedanken bei Tag. Der Jungnorn wusste nicht was es zu bedeuten hatte, doch irgendwas in seinem Inneren sagte ihm, dass er die Antwort in welcher Form auch immer, im Norden finden[Weiterlesen]

  • Ein Messgerät...
    ...kleine Gesten und Gräten.

    Eine kleine Kurzgeschichte



    Tyria, Götterfels - Genauer noch: Ein unbedeutender Teil im westlichen Marktviertel.


    Ein Ort, wo man nicht lebte sondern vegetierte und den eigenen Verfall mitansehen konnte.
    Ein Viertel, so schief, krumm und kränkelnd, dass - wenn gegrüßt wurde -, der Abschied ein hüstelndes Gute Besserung war. Wo Atmen gleichsam Röcheln war.
    Eine Gosse, in der Quacksalber in zerfallenen Anbauhütten angesehene Ärzte waren, und rudimentäre Kenntnisse über Omas Allheilmittel gegen alles als Akademikerwissen gegolten hat. Brüchige Hausfassaden und Strassenwege, deren schlammspuckenden Steinrinnen dickflüssige, braune Bracke förderten, und in verwinkelten Schmutzgassen, durch brütende Sommerhitze beleidigende Gerüche, dreckige Dämpfe und Bazillengewürm aufquoll.
    Wenn man sich jetzt noch einen Lausbuben vorstelle, der barfuß über Kloaken sprang, schwertführend mit Ästen in Fekalien stocherte, der
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  • Flackernder Kerzenschein untermalt mit dem gierigen Zischen der atmenden Flammen, die das notwendige Licht spendeten für den Mann mit dem güldenen Haar und den berechnenden, grauen Iriden. Wie ein König saß er da auf dem großen, schweren Stuhl, gefertigt aus feinstem Mahagoni, verziert mit Schnitzereien so fein, dass sie mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen waren. Die schwarzen Stiefel weit auseinander gesetzt, den linken Ellbogen auf die breite Holzlehne abgestellt und das markante Kinn auf die Innenfläche der mit Ringen bestückten Pranke gestützt, während die Rechte in einem Anflug von aufkeimender, wütender Ungeduld einen schnellen Takt auf dem Holz spielte. Ungemein melodisch, gar von seltener Schönheit, wäre die unausgesprochene Drohung nicht zwischen den Notensträngen, die alles versprach, nur keine heilsbringende Flucht.

    „Ihr enttäuscht mich, Bartholomeus. Ihr enttäuscht mich sehr. Ich dachte, ich hätte mich klar ausgedrückt, als ich sagte, dass ich kein ‚Nein‘… [Weiterlesen]
  • Schummriges Dämmerlicht haucht grotesken Schatten Leben ein, bringt sie zum Tanzen und Herumtollen, raubt ihnen Gliedmaßen und wandelt sie zu gefährlich anmutenden Monstren, die die zwei Männer, welche an einem kleinen Tisch sitzen, umgarnen wie ein loyaler Hund seinen Herrn. Einen Blick für dieses gruselige Spiel hat jedoch keiner von beiden, erfordert das Schachbrett mit seinen Figuren, welches in der Mitte des alten Holztisches thront, ihre gesamte Aufmerksamkeit. Zug um Zug setzen sie ihre Figuren schweigend, bringen Springern wie Rittern Bauernopfer dar, ziehen Grenzen mit ihren beweglichen Festungen und bedrohen des Kontrahenten König mit der bezaubernden wie kriegerischen Dame. Sie schenken sich nichts, versuchen stets alles zu nehmen und nur das Mindeste zu geben in diesem Spiel der Könige, dass nur dem Gewinner Ruhm gewährt. Dem Verlierer jedoch wird Schmach und Schande zuteil.

    „Sie ist wissbegierig, nimmt alles und will noch mehr. Aber Lehrstunden wie Gunst wollen… [Weiterlesen]
  • Adel verpflichtet. Ein Satz derer sich viele bedienten, wenn es darum ging dem Adel etwas abzupressen, ihn in die Pflicht zu nehmen, um die eigenen Bedürfnisse erfüllt zu sehen ohne selbst in die Bredouille zu kommen dankbar zu sein. Denn warum sollte man dankbar sein, wenn der Gegenüber lediglich der Verpflichtung seines angeborenen Standes nachging? Immerhin erhielt er bereits Privilegien dafür, nicht wahr? Kretins, allesamt. Die Verpflichtungen des blauen Blutes waren mannigfaltig und reich gesät, oftmals nicht als solche zu erkennen. Weshalb sonst also fuhr seine gemietete Kutsche, denn seine eigene hätte den Sinn des Festes verraten, an jenem Vorstadtsanwesen vor, welches die Einladung in der Frakinnentasche beschrieb.

    Noch in der Kutsche wanderte die dunkelblaue Maske mit den güldenen Verzierungen an ihren angestammten Platz. Nicht das man ihn auf wundersame Weise jetzt nicht mehr erkennen würde, waren doch seine Aufmachung und, allem voran, die stechend-grauen Augen sowie… [Weiterlesen]
  • Kapitel VI – Fieberträume II


    Hätte ihm irgendwer erzählt, dass er Angst vor seinen eigenen Träumen – vor dem Einschlafen haben würde, hätte er diesen Jemand direkt ins Gesicht gelacht und ihm obendrein noch den Vogel gezeigt. Aber immer, wenn er seinen Dämmerzustand verließ und in den Schlaf zurück glitt, obwohl er sich mit aller Willenskraft dagegen wehrte, überkam ihn eine Angst, die er vorher noch nie erlebt hatte. Alles in ihm wurde immer ganz kalt und er spürte förmlich, wie sich der Schweiß auf seiner Stirn bildete. Der einzige Trost und zugleich größte Folter war bisher, dass er ein stummer Beobachter blieb. So auch – hoffentlich und gleichzeitig auch nicht – dieses Mal.

    Er wusste nicht, ob er gerade eben eingeschlafen war oder zumindest schon eine Weile traumlos schlief aber das war auch einerlei. Wie schon so oft fand er sich beim Waisenhaus wieder. Seine Träume, oder besser gesagt Albträume, fingen immer mit dem Waisenhaus an. Aber irgendetwas war dieses Mal anders, nur
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  • Kapitel V – Fieberträume


    Es war seltsam. Irgendwie fühlte er sich zum Einen schwerelos und zum Anderen so unendlich schwer, dass es ihn zu erdrücken drohte. Aber dieses Gefühl war nichts im Vergleich zu dem, was er vor sich sah. Es war das Waisenhaus aber nicht so, wie es inzwischen aussah. Die Mutter Oberin, die draußen gerade ein kleines Mädchen schalt, sah jünger aus. Wesentlich jünger. Und das kleine Mädchen – ja, das kleine Mädchen hatte er bisher nicht ein einziges Mal im Waisenhaus gesehen. Es hatte schwarze Haare, blasse Haut und aufgeschlagene Knie. Außerdem trug es ein lilanes Tuch um den Hals. Es war ... seltsam bekannt.


    Gerade als er auf die Szenerie zugehen wollte, verschwamm sie vor seinen Augen und es kam ihm vor, als müsste er sich übergeben. Vielleicht tat er das sogar. Seine Übelkeit wurde nur noch versteht durch die nächste Szene, die er sah. Ein blonder Mann mit makeloser Kleidung. Lediglich das Gesicht war ein schwarzes Loch. Das Bizarre war, dass er dennoch
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  • Kapitel IV – Zufällige Zufälle

    Es sind geschickte Handgriffe, die die immer noch recht neue Waffe reinigen. Nicht, dass sie schon oft benutzt worden wäre aber anscheinend wollte das charmante Kerlchen auf Nummer sicher gehen. Es ist bereits das zweite Mal, dass er die öligen Dochte in den Lauf schiebt und zu drehen anfängt.


    Irg'ndwie muss er ja all'n sechs Göttern ins Knie gefickt ham. 's war ja nich' so, als ob er 'n sehr gläubiger Mensch wär aber das, was in letzter Zeit schief lief, war einfach zuviel des Gut'n gewesn. Man könnte fast sagn, das alles schief gelaufn ist, was überhaupt schief laufn konnte. Un' wenner ehrlich war, stinkte das alles zu sehr, um 'n Zufall zu sein.

    Athes, dieser kleine Penner, zum Beispiel wollte ihn doch glatt abserviern! Von wegn es wär sicherer, wenner nich' bei der Aktion mitmacht. Der hatte irg'ndein Plan mitm Rotschopf ausheckt den blondn Lord da zu vergiftn. Toller Plan. Hatte nur'n paar miese Lückn. Dieses Weichei von Blaublut hatte nämlich
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  • Kapitel III – Rheylas

    Das Gesicht verzogen zu einer von Schmerzen sprechenden Grimasse tatest das charmante Kerlchen an seiner rechten Seite, insbesondere am grün-gelblich verfärbten unteren Brustkorb, herum. Natürlich nicht ohne das Eine oder Andere Mal die Luft scharf einzuziehen.

    So ne' verdammte Scheiße! Was fiel diesm arschrkriech'nden Sohn einer billign Gass'nhure eig'ntlich ein?! Is' ja nich' so, als hätte er ins' Essn von diesm blödn Blondschopf gepisst, oder?! Aber selbst wenn er das getan hätt, wär das trotzdem kein Grund gewesn so 'ne Scheiße abzuziehn! Ihm auflauern un' verprügln lassn is' ja nich' schlimm – damit kanner ja lebn. Aber damit zu drohn, dass er eins von den Kindern entführn lassn un' umbringn will? Das war nen' Schritt zu weit!

    's fing ja schon an, als dieser kleine, miese dreimal du- ... scheiß Blondschopf innen Hals gekomm'n is'. War echt 'nen lustiger Abend, wenn man ma von diesm Karott'nkopf absieht, der jetz auch anfing den Rotschopf mit Muffins zu
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  • Kapitel II – Ein Blaublut kommt selten allein

    Mit einem undeutlichen Flirren und einem dumpfen 'Pock' schlägt das Messer in den gegenüberliegenden Holzbalken ein. Am anderen Ende der doch recht kurzen Flugbahn steht – wer auch sonst – das charmante Kerlchen, das sich mit einer deutlich genervten Bewegung die Haare aus dem Gesicht streicht.


    Welcher Idiot hatte eig'ntlich den genialn Einfall gehabt fürs' Wais'nhaus zu ne' Spend'naufruf zu startn? Is' ja nich so, dass sie irg'ndwie Geld bräucht'n aber musste es n' Blaublut sein? Die haltn sich doch alle für was besseres, weil se' mit'm gold'nen Löffel im Mund geboren wurdn.

    Da wär diese komische rothaarige – Sheryna sowieso. Heiß sieht se' ja aus un' versteht auch so'n bissch'n Spaß. Wär da nich der Fakt, dass se' n' Blaublut is'. Un' dass se' damit mal so gar keine Ahnung hat, hat se' auch gleich bewiesn. Laberte großartig rum was se' den Kindern alles Gutes tun will. Er musste ihr dann erstma den Kopf waschn. War ja nich' zum
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  • Kapitel I - Frauen!


    Mit einem rechten, weit ausholenden Faustschlag verpasste Lair dem vor ihm schwingenden, gefüllten Kartoffelsack einen ordentlichen Hieb.

    Fraun!

    Ein geübter Schritt zur Seite befördern den jungen Mann gerade noch rechtzeitig aus dem Schwungbereich des gefährlichen sowie arglistigen Sack ... voller Kartoffeln.

    Nich, dass er etwas im Allgemein geg'n Fraun hätte – nein. Wo kämen wir denn da hin? Aber 's gab definitive Regln. Regln, die bisher eigntlich immer gut funktioniert hattn! Klar, 's gab immer mal wieder Ausnahm. Alleine diese komische, kurzhaarige Brünette. Die war schon unter aller Sau. Und dann die Blondine! Scheiße, ja, die Blondine! Gott, war die durchgeknallt!


    Er hatte sich nur ein seiner üblich'n Scherze erlaubt. Un' was macht diese dumme Schlampe? Ihm am selben Abend noch ne' Pistole an 'nen Kopf haltn!Durchgeknallt, allesamt miteinander, genau! Überhaupt war er wahrscheinlich einer der wenign, die ganz normal sin'. Anders konnte 's gar nich sein![Weiterlesen]