Die Ballade von Rosmarin und Thymian - Kapitel 1: Abschied

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  • [Anmerkung: Diese Geschichte habe ich vor längerer Zeit begonnen und nun fortgesetzt. Es geht um zwei meiner Charaktere, deren Hintergrund ich unabhängig im RP ausspiele. Für etwaige Fehlinformationen, falsche Darstellungen oder Personen bitte ich um Nachsicht. Es ist eine Geschichte, die euch Spaß bringen und vielleicht auch einige Zeit begleiten soll]




    Die Ballade von Rosmarin und Thymian - Kapitel 1: Abschied


    Komm mit!“, rief sie ihm zu und ergriff verstohlen seine Hand um ihn gleich hinter sich herzuziehen. Er polterte nur hinter seiner Schwester her und war ganz überrumpelt um überhaupt etwas sagen zu können. Sie liefen verschlungene Wege, hohe Treppen und schließlich sprangen sie von Ranke zu Blatt. Beide staunten, nun endlich den Sternenhimmel zu sehen. Sie setzten sich schließlich am Hang und sahen hinauf. „Ist es nicht schön, Thymian? So ruhig, so traumhaft, so unwirklich, dass man alles vergessen könnte... .“ Er betrachtete das begeisterte Gesicht seiner Schwester, bemerkte wie ihre Augen funkelten und sie zufrieden lächelt. Thymian nickte nur leicht und senkte für einen Moment den Blick. Er zog die Beine an. „Weißt du, ich habe das Rauschen des Winds, das Rascheln der Blätter am Boden und die vielen Stimmen unten lieber, dann höre ich-...“Rosmarin schaute ihn mit einen Grinsen an und tätschelte seine Schulter. Ja selbst ein kurzes Kichern entrann ihrer Kehle. „Ach, nun schau doch mal nach oben! Hach, die vielen Sterne. Woher sie nur kommen? Hast du eine Ahnung, hm?“ Er schaute nur verwirrt in ihr Gesicht. So unbeschwert wollte er auch sein. Den Kopf frei, den Geist frei. Ohne das Flüstern, wie Maden im Kopf. „Vielleicht sind es ferne Länder. Weit, weit weg. Genau dort sitzen genau jetzt ebenso zwei und schauen zum Himmel. Und vielleicht fragte einer der beiden genau das gleiche wie du, Schwester.“ Er lächelte leicht und rückte etwas näher. „Willst du nicht auch fort? Die Welt sehen, deinen Traum erleben?“ Rosmarin lehnte ihren Kopf an seine Schulter und schloss die Augen. Tief atmete sie aus und legte eine Hand auf seine Brust. „Dummkopf. Du bist mein Traum. Ich sah dich.“ Sie blickte ihn von unten an, er erwiderte fragend den Blick und beide lächelten sich an. Thymian schloss Rosmarin in seine Arme und versuchte sich auf den Nachthimmel zu konzentrieren. „Du hast mich gesehen? Ohne mich vorher gesehen zu haben? Was bedeutet das?“Rosmarin schmiegte sich an. „..., dass ich bei dir bleibe und dich beschütze.“ Thymian seufzte und wusste nichts zu sagen. Er presste Rosmarin fester an sich. „Du hast doch etwas.“ Sie löste sich aus seiner Umarmung und hielt seine Hände fest. „Ich lasse dich solange nicht mehr los, ehe du mir gesagt hast, was dich bedrückt.“Er zog seine Schwester näher zu sich, ihre Lippen berührten sich fast. Ihre Blicke starrten einander. Sie blickte verunsichert. Er sah sie ernst an. „Ich will dich nicht verlieren. Ich will nicht, dass du einsam bist. Folge mir nicht, sollte ich fort gehen. Ich will nicht, dass du leidest. Ich ...“, sein Blick wich zur Seite, seine Augen kniff er zusammen. „He...“, hauchte sie sanft und führte ihn am Kinn wieder zu sich. Sacht berührten ihre Lippen die seine, „Traurigkeit steht dir nicht. Genieße den Moment. Wir sind hier. Zusammen. Ewig. Ja?“ Und wieder schenkte sie ihm das frohe Lächeln, dass er so an ihr mochte. Beide lagen sich in den Armen. „Ewig.“, sprach er flüsternd, „Ich bin ewig bei dir.“Es wirkte, als genossen beide nun wirklich den Moment, aber sie ahnte nicht, welchen Kampf Thymian im Innern führte. Hin und her gerissen war sein Innerstes. „Was zeigte dein Traum?“Diese Frage ließ ihn erstarren. Er starrte ins Leere. Er musste es ihr sagen. Er lehnte sich schließlich zurück und hielt ihre Schultern. Anfangs suchten seine Augen einen Punkt, fixierten schließlich Rosmarin. „Einen Hain … ich meine … den Hain. Flügel. Ranken. Dornen.“, er seufzte und fuhr fort, „Ich spürte Leid, Trauer. Etwas begann zu wachsen. Mit Flügel, Ranken und Dornen.“Sie schaute ihn zweifeln an, sah wie sehr es ihn belastet, wie die Schwere in seinen Inneren lag. „Aber, … was bedeutet das alles?“ Nun blühte in ihr auch die Hilflosigkeit und der Kummer. „Aber, du bist mein Traum. Ich habe deinen Duft vernommen, dein Gesicht umrahmt von Lavendel … du kannst niemanden etwas tun!“ Sie begann zu zittern. Sie nahte sich der Verzweiflung. „Du hast recht, ich kann es nicht. Jemand anderes. Du sollst wissen, du bist immer bei mir, ich beschütze dich. Ich bin bei dir. Ich lasse nicht zu, dass du weinen musst, hörst du?“ Ihre Lippen zitterten, doch Thymian schaute sie überzeugend an und umarmte sie fest. Sie begann zu weinen. Warum wusste sie nicht. Sie kannte so etwas nicht. In ihr waren so viele Gefühle, so viel Verwirrung. Ein tiefes Seufzen entrann ihrer Brust. „Wir schützen uns einander, wie der Hain uns, wir sorgen für einander, wie wir für den Hain.“, sie atmete tief durch und sah ihn schließlich an, bemühte sich um ein lächelndes Gesicht, „Ha! Weißt du, dass ich bei den Hainhütern ausgebildet werde? Dann kann ich dich erst recht beschützen!“ Er sah sie fragend an, brauchte einen Moment um zu verstehen, was sie sagte und sprang dann freudig auf. „Wirklich? Das ist wunderbar!“Er nahm sie bei der Hand und drehte sich mit ihr. „Dir steht ein Lächeln eher als hängende Mundwinkel Thymian!“,sagte sie nun voller Freude, herzlich lachend. Auch er musste lachen und sie fanden sich dort wieder, wo sie am liebsten waren: in gegenseitiger Umarmung.

    Am Morgen wollten sie sich wiedersehen. Rosmarin trug voller stolz den Blattwuchs der Hainhüter, sie war gerade dazu gemacht. Rosmarin hatte eine dicke Borke und festes Blattwerk. Suchend sah sie sich um, doch konnte Thymian nicht erspähen. So ging sie zu seiner Kapsel. Sie erschrak als sie durch den Torbogen sah. Alles verwüstet, Schriften lagen überall auf den Boden, Möbel waren umgeworfen. „He da!“, rief eine Stimme und riss sie aus dem Schreck, „Suchst du den verwirrten Bruder? Er wurde heute zur Dämmerung von den Hainhütern mitgenommen. Er schrie und war außer sich … zu viel Nachtschatten, was?“ ,hämisch schmunzelte der andere Sylvari, der wohl Zeuge davon war. „Wo brachten sie ihn hin?“ Die Antwort fiel nur kurz und knapp als er davon ging: Im Garten der Nachtschatten, dem Gefängnis. Sie erstarrte, sie klammerte sich an den Rahmen des Eingangs und sank zusammen. „Nein, Rosmarin! Du bist Hainhüterin! Sei stark! Du kannst es aufklären!“, redete sie sich zu und rappelte sich auf.
    Schon auf dem Weg bemerkte sie das Getuschel und Gerede, je näher sie den Garten der Nachtschatten kam, desto marternder wurde das Gerede auf dem Weg dahin. Dort angekommen hörte sie ihn schreien, klagen und wimmern. „Halt! Für dich geht es nicht weiter, Schwester. Auch wenn du wohl eine Hainhüterin bist.“Sie versuchte sich an den Wachen vorbei zu drängen, befürchtete, das Thymian Qualen leidet und man ihm Leid antut. Sie bettelte, wehrte sich mit Händen und Füßen gegen das Zurückhalten der Wachen. „Er ist mein Traum!“, rief sie in voller Verzweiflung und überrascht wichen die beiden Wachen zurück.

    Da saß er, zusammengekauert in einer Ecke, hinter festen Ranken, sogar seine Handgelenke waren umschlungen. Er wimmerte, schluchzte. Bis Rosmarin schließlich an seiner Zelle kam. „Oh, Thymian! Was haben sie dir angetan?“ Sie klammerte an die wurzelnen Gitter. Wehleidig hob er den Blick und riss die Augen auf.„Liebste Schwester! Hilf mir! Bitte! Es ruft mich! Es ruft mich zu sich! Mein Traum. Es dröhnt in meinen Schädel, sein Flüstern. Ich halte es nicht aus.“ Er kauerte in seiner Ecke, wusste nicht wohin. Sie empfand tiefes Mitleid und wusste nicht was sie tun sollte. Plötzlich spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter. „Er ist für sich und andere eine Gefahr. Wir wissen selbst nicht weiter, Schwester.“, sprach Niamh im mitfühlenden Ton. Rosmarin war wie angewurzelt. Sie erklärte Niamh, was Thymian in der letzten Nacht erwähnte. Sie wollte ihm helfen. Doch sie schob sie nur schweigend zur Seite und zog die Dornenklinge. „Nein!“Rosmarin hing sich an den Arm von Niamh und zog sie zurück. „Er ist in meinem Traum erschienen, tötest du ihn, tötest du auch meinen Traum! Bitte!“ Sie blickte kühl zurück auf Rosmarin und stieß sie fort. „Wir finden eine Lösung.“ Sie steckte ihre Klinge wieder weg und zog Rosmarin zu sich hoch. Sie hielt die Schwester fest am Arm und ging mit ihr von der Zelle weg, unter klagen und zerren. Sie beruhigte sich auf dem Weg zur Omphalos-Kammer und schluckte mühsam. Würden sie zur Mutter gehen? Dort angekommen, wurde Rosmarin unsanft zu Boden geworfen. Der Avatar des Baumes erschien ebenfalls.
    Kinder, ich weiß warum ihr hier seid. Es geht um das Lavendelhaupt, Thymian.“ Die Mutter blickte liebevoll auf Rosmarin und reichte ihr die Hand. Sie war zu verschüchtert um etwas zu sagen.„Wir wissen selbst nicht, was ihn plagt. Er spricht von seinen Traum, dass er ihn ruft.“, der Mutterbaum seufzte, „Jedes Leid meiner Kinder spüre auch ich. Es schmerzt mich. Drum sage mir, mein Kind, was sollen wir tun?“ Rosmarin war unsicher. Sollte sie nun sein Schicksal bestimmen? Aber ja. Thymian verkörperte ihr Traum, sie mochte seine Nähe, seine Geschichten und Lieder zu lauschen, seine Gedanken zu hören. Nun trat sie vor die Mutter und erhob das Wort: „Mutter, Thymian ist mein Traum. Ich habe geschworen für ihn da zu sein, ihn zu beschützen, auf ihn acht zu geben. Das tue ich. Ich spüre sein Leid dort unten in der Zelle. Dieses Leid will ich beenden.“Niamh und die Mutter nickten. „Lasst ihn wieder frei!“, sprach Rosmarin zur Mutter. Niamhs nicken stockte sogleich und ihr Haupt wandte sich erschrocken zu ihrer Schwester. „Was?!“ Die Mutter der beiden nickte abermals. Sie kannte schließlich jedes ihrer Kinder.„Mutter! Wir können nicht...“ Die erhobene Hand brachte Niamh zum Schweigen und sie sah weiter entsetzt zwischen ihrer Schwester und ihrer Mutter umher. „Die Welt ist im ständigen Wandel. Manche Veränderungen sind kaum spürbar, manche jedoch haben große Auswirkungen auf unser Aller. Ich kenne die Worte Thymians. Er erzählt sie jeden. Auch von der Stimme in seinen Kopf. Der Ruf, wie er es nennt. Sein Traum deutete von einen fernen Hain. Lassen wir ihn ziehen, dass sich sein Traum erfüllt. Aber. Er darf den Hain für eine lange Zeit nicht mehr betreten. Auf seiner Reise soll er finden, was er sucht. Mein Kind, Rosmarin ... .“ Die Mutter näherte sich ihr und legte die Arme um den blassen Leib, „Ein Abschied ist voller Schmerz, bedeutet aber auch neue Wege, neue Anfänge. Du wirst ihn wiedersehen. Das verspreche ich dir.“ Langsam löste sich die Umarmung und die Mutter führte Rosmarin zurück zu Niamh. Durch stummes Nicken kommunizierten alle drei und die beiden gingen wieder hinab.

    Wird er … wird er gejagt?“, fragte Rosmarin unsicher mit dem Blick geradeaus.
    Du geleitest ihn aus dem Hain. In fünf Tagen ist er fort. Sei bei ihm. Ihr braucht das. Bereite mit ihm die Reise vor.“, sprach die Hainhüterin abgeklärt und sie sah aus, als wäre sie tief in Gedanken.
    Fünf Tage hätten die beiden noch Zeit. Fünf Tage zusammen. Rosmarin war erleichtert, aber es fühlte sich für sie so an, als würde sie zerdrückt werden. Es zog in ihrer Brust, das Atmen fühlte sich nicht mehr so leicht an. Im Spiegel des Teiches zeigte sich auch keine Heiterkeit mehr.
    Niamh beseitigte die Gitter und die Ranken. Sogleich fielen sie sich in die Arme und Niamh spürte nun deutlich, was die beiden verband. Sie geleitete beide noch nach oben und beide machten sich auf den Weg zu Thymians Kapsel. Auf dem Weg dorthin wollte Rosmarin ihm erzählen, wie es nun weiter geht, jedoch blieb Thymian plötzlich stehen. „Was ist mit ihnen?“, er deutete zu seinen Brüdern und Schwestern im Hain, die einen großen Bogen um die beiden nun machten. „Ach, scher' dich nicht um sie. Du warst eingesperrt, sie verstehen nicht … .“ Sie zog ihn einfach weiter den Weg entlang und gingen in die Kapsel. Rosmarin verschloss die Tür uns seufzte mit hängendem Haupt. Fünf Tage. Es kreiste in ihren Kopf. Sie sank in die Hocke. „Thymian!“schluchzte sie und er eilte zu ihr hinab, hielt ihre Hand. „Was hast du liebste Schwester?“ Er versuchte sie zu beruhigen, strich durch ihr blaues Blattwerk. Sie konnte nicht reden. Ihre Lippen zitterten. Sie legte den Kopf in ihre Hände und schluchzte. Thymian verstand nichts, er blickte auf sie und nahm sie einfach in seine Arme, fest und schützend, wie die Blätter eines Baumes.
    Als sie schließlich vor Erschöpfung in seinen Armen einschlief, brachte Thymian seine Schwester in sein Nachtlager, gefüllt mit Blätter und gewobener Wolle. Er setzte sich am Rand und beobachtete sie, wie sie dort friedlich schlief. Sacht strich er ihr über das Gesicht und hauchte einen Kuss auf ihre Stirn.

    Rosmarin erwachte mit Morgentau im Haar, geweckt hatte sie nicht Thymian, sondern der Sonnenstrahl. Erschrocken sprang sie hoch und rief nach ihm. Er war nicht da, aber alles im Inneren der Kapsel war wieder aufgeräumt. Hatte er die Nacht alles wieder eingeräumt? Sie sah sich weiter um, stieg aus dem Bett und sah aus dem Fenster. Alles wie gewohnt, Händler und Wanderer durchstreifen den Hain, sie seufzte und hoffte das alles nur ein Traum war. Die Tür öffnete sich plötzlich mit dumpfen Knall. Das Geräusch ließ Rosmarin zusammenfahren und ein Laut des Schrecks entweichen. Es war Thymian. Er ist wieder da, nicht fort. Sofort lief sie zu ihm. Nanu? Was hatte er da alles für Sachen? „Schau Schwester! Feine Stoffe, sogar eine robuste Tasche aus Leder habe ich gefunden. Und auch eine Tasche für dich! Hier!“ Rosmarin blickte verwirrt drein. „Für … mich?“ Er nickte eifrig und erklärte, dass er und Rosmarin den Hain verlassen und auf Reisen gehen. Thymian war in seiner Begeisterung gar nicht zu bremsen und Rosmarin musste ihm lautstark ins Wort fallen. „Thymian! Bruder! Oh, geliebter Bruder.“ Sie führte seine Hände mit den ganzen Dingen zu einem Tisch und dann setzten sie sich auf das Bett. „Ich kann nicht mit dir mit kommen. Mutter hat gesagt … du musst gehen. Für lange Zeit. Ohne mich.“Sie begann in ihrer Stimme zu zittern. Hatten sie sich doch versprochen, ewig zusammen zu sein. Sie ballte ihre Hände auf ihren Schoß und kniff die Lippen zusammen. Thymian hockte nun vor ihr und hob etwas ihr Kinn. „Für eine lange Zeit? Auch diese wird vorrüber gehen und wir werden uns wieder sehen. Ich komme zurück. Für dich. Denn du bist der Grund, zurückzukehren. Du bist mein Heim.“ Beide konnte nicht mehr inne halten und warfen sich in die Arme. Thymian war innerlich zerrissen, wollte jedoch nicht, das Rosmarin daran auch noch zerbricht. „Du hast lange geschlafen, Liebste. Zwei Tage.“ Sie sah ihn erschrocken an. Zwei Tage verloren. „Oh nein!“ Thymian legte den Kopf schief und ehe er fragen konnte legte Rosmarin los. Sie erklärte ihm die Bedingung, er wusste dass er gehen musste, seinen Traum verfolgen, jedoch nicht aus dem Grund, dass er eine Gefahr darstelle. „Verbannt? Was für eine Schande. Und alles nur weil ich meinen Traum folge?“Er stand auf und sortierte die Stoffe. Es waren robuste, aber weiche Stoffe, in einen leichten Violett-Ton. „Rosmarin, lass mich alleine. Ich muss meine Reise vorbereiten. Sag nichts. Geh bitte. Ich hole dich ab. Wir werden noch Zeit haben.“ Sie saß da, wusste weder ein noch aus. Er hat sich geändert, von einen zum anderen Moment. Er veränderte sich stetig. Der Thymian, der lachend den Morgen begrüßte, den Sprösslingen Geschichten und Lieder darbot, wurde kühler. Sie ging, warf noch einen letzten Blick durch den Torbogen zu Thymian und ging. Doch statt zu ihrem Heim ging sie zu ihrer Hüter-Ausbildung. Lenkte sich mit Taktik-Unterricht, Kampftraining und Hain-Wissen ab. Sie müsse schließlich eine gute Hainhüterin werden um jene zu beschützen, die sie liebt: Thymian Dorne.

    Die Tage vergingen. Es blieb nur noch eine Nacht. Rosmarin zwang sich in den Schlaf. Wälzte sich umher, hatte wilde Träume von geflügelten Ungetümen, dichten Ranken und mitten drin erkannte sie das Gesicht ihres Bruders. Sie schrak auf und atmete schwer. „He, Rosmarin, es war nur ein Traum.“, hauchte eine bekannte Stimme. Sie blickte sich um und sah eine Gestalt an ihrem Bett, die Augen musste sie sich reiben um alles vom Schlaf zu beseitigen. Tatsächlich war es Thymian, in einer prächtigen Robe. Rosmarin bewunderte ihren Bruder. Und ja, auch er lächelte als wären die letzten Tage nie gewesen. „Komm mit!“, flüsterte er und riss sie förmlich aus dem Bett. Fragen, wohin es wohl ginge wurden nicht beantwortet, sie gingen immer tiefer in den Hain hinab, bis zur Morgentau-Quelle. „Diese Nacht, ist unsere Nacht, Schwester.“ Er sah sie mit funkelnden Augen an und legte die Robe ab. Beschämt blickte Rosmarin bei Seite, aber es war nicht nötig, Verlegenheit zu zeigen. Thymian trug sein gewohntes Blättergewand unter dem Stoff. Er reichte ihr abermals seine Hand, erst nach mehrmaligen Winken griff Rosmarin zu und beide stiegen in das Wasser, bis sie den Boden unter den Füßen verloren. Rosmarin klammerte sich mehr an Thymian und er zog sie wiederum näher zu sich. „Wir beide. Für immer. Ewig. Ich bin immer bei dir, Schwester. Nie bin ich fern von dir. Denn ich bin genau hier und hier.“ Er flüsterte so nahe an ihrem Gesicht, dass beim Sprechen die Lippen fast berührten. Mit dem Finger tippte er bei seinen Worten auf ihre Stirn und auf ihr Herz. Und er spürte wie nervös sie war. Rosmarin sagte nichts. Sie blickte ihn einfach nur an. In diesen Moment schien die Zeit stehen geblieben zu sein. Nichteinmal das Wasser schlug Wellen. Sie küssten sich nun das erste mal innig und ließen ihrer Leidenschaft freien lauf, ehe sie die Strömung wieder an das Ufer brachte. Sie saßen noch Stunden am Ufer, Arm in Arm und erzählten, genossen die Nähe ehe sie sich anblickten und wussten, nun war es soweit.

    Thymian legte seine Robe an und Rosmarin klammerte sich an seinen Arm. Zusammen gingen sie in Richtung Caledon-Wald. An der Grenze wartete schon Niamh mit einigen Hainhütern und je näher sie kamen, wurde ihre Schritte schwerer und schwerer. Niamh hielt Rosmarin zurück, sie sollte nicht weiter. Aber nochmals verabschieden durften die Geschwister sich. Sie fielen sich zitternd in die Arme, küssten sich ein letztes Mal. Rosmarins Hände hielten noch Thymians Gesicht als er sich gezwungen fortriss. „Ich komme wieder, für dich. Ich vergesse dich nicht. Niemals.“Flüsterte er noch ehe er sich abwandte und in den tiefen des Caledon verschwand. Lange sah Rosmarin ihn nach. Sogar noch, als er schon lange verschwunden war und solange hielt Niamh Rosmarin an der Schulter. Langsam realisierte sie, dass er fort war, sie sah zu Niamh und brach in Tränen aus. Die sonst so kühne Hainhüterin nahm ihre Schwester mit Schmerz im Gesicht in die Arme und hielt sie fest.



    ... fortsetzung folgt.

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