Die Ballade von Rosmarin und Thymian - Kapitel 2: Pfade

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  • Die Ballade von Rosmarin und Thymian - Kapitel 2: Pfade



    Seit Thymian den Hain verließ, verging keine Nacht, in der Rosmarin zu den Sternen sah. Seine Worte hallen immer noch in ihrer Erinnerung:Vielleicht sind es ferne Länder. Weit, weit weg. Genau dort sitzen genau jetzt ebenso zwei und schauen zum Himmel.
    Die Nächte brachten Kälte, Trauer und Sehnsucht. Rosmarin fühlte die Schwere, pausenlos dachte sie an ihren geliebten Bruder. Doch sie musste stark sein, denn sie wusste, dass er ebenso an sie denkt.
    Thymian war schon weit gewandert, das fühlte sie.
    Die Ausbildung zur Hainhüterin war eine Herausforderung für Rosmarin. Kämpfen, Taktiken überdenken, Wissen anwenden und gleichzeitig magische Fähigkeiten trainieren. Es gab Rückschläge genau wie Fortschritte. Trotz ihrer zierlichen Gestalt zeigte sie ein hohes Maß an Geschick und Klugheit, beste Vorraussetzungen für die Hainhüter.
    Thymian erreichte nach vielen Wochen Götterfels, die Hauptstadt der Menschen. Groß, Mächtig und aus Stein erhob sie sich über das Königintal. Er lernte die Menschen als freundlich, aber skeptisch alles Fremden gegenüber kennen. Unterwegs traf er auch andere Sylvari und unterhielt sich mit ihnen über die Erfahrungen ihrer Reisen. Als Thymian seinen Traum erwähnte, wirkten die anderen oft verstört und fühlten sich sichtlich unwohl. Er spürte die Gefühle der anderen und erzählte eine wundersame Geschichte von Geistern, Elementen und Lichtern. Und schon hörten sie wie gebannt zu. Nicht nur Sylvari, auch die Menschen lauschten seinen Erzählungen. Vorallem, weil er immer mit vollen Körpereinsatz und mit einer bemerkenswerten Begeisterung und Überzeugung erzählte, dass man glaubte, die erzählten Bilder vor dem eigenen Auge zu sehen. Lange blieb er nicht in der großen Menschenstadt, nach einigen Tagen zog er weiter in Richtung Osten. Trotz einiger Zentauren, die ihm auf dem Weg auflauerten, kam er sicheren Weges weiter. Schließlich beherrschte Thymian seit dem Erwachen die Fähigkeit zu Formen: Erde aufschütten, Wurzeln wachsen lassen und das führen von Wasserströmungen. Mit dieser Art von Magie konnte er sich aus wenig gefährlichen Situationen gut befreien, vorallem da die Zentauren von seiner Erdmagie leicht zu beeindrucken waren. Er genoss die Ruhe auf den Gendarran-Felder. Setzte sich unter einem Apfelbaum und ruhte. Er ruhte so sehr, dass er einschlief.
    Im Caledon-Wald trainierte Rosmarin weiter. Mit anderen Hütern sollte sie die Albtraumhof zurückdrängen, hoch motiviert und gut gerüstet zog sie los. Keiner sagte auch nur ein Wort. Nun hegte sie doch Zweifel. Hainhüter zu sein bedeutete nicht nur zu schützen, sondern auch sich zur Wehr setzen. Plötzlich kam die Geste um sich aufzuteilen. Alle anderen verschwanden im Dickicht des Waldes, nur Rosmarin stand verloren auf dem Weg, alleine und unsicher. Still war der Wald. Kein Vogel zwitscherte, keine Borke knarrte. Trotzdem zog sie ihren Dornenschild und hielt ihn schützend vor sich. Über den Rand des Schildes beobachtete sie die Gegend, hörte nicht den Hauptmann zischen, sie solle sich verstecken. Ihre Ohren zuckten, ein dumpf pfeifendes Geräusch. Mehrere Pfeile prallenten mit Wucht dumpf auf ihren gehobenen Schild. Sie schrie auf, vor Angst, vor Schreck? Sie konnte nicht darüber nachdenken, sondern musste Handeln. Es war ein Verband von Höflingen die nun auf sie zurannten, in Begleitung von einer Meute Albtraum-Hunden. Sie stand da wie angewurzelt, mit dem Schild gehoben. Angewurzelt? Ja, sie war angewurzelt! Dünne Ranken wunden sich um ihre Beine, je mehr sie sich wehrte desto stärker schlägelten sie sich um ihre Glieder. Sie konnte nicht fliehen, wo blieben die anderen? Hilfesuchend blickte sie sich um, nach links, nach rechts. Kein Busch raschelte, kein Blatt bewegte sich. Hat man sie zurückgelassen? Die Hunde kamen näher und sprangen auf sie.
    Die Hunde wehrte Rosmarin mit dem Schild ab, bis es zerbrach. Schnell musste sie ihr Hüter-Schwert ziehen und damit die wilden bissigen Wesen abwehren und leider auch töten. Sie zerschnitt die Ranken und stellte sich den Höflingen. "Seht mal, es ist ja nur ein Setzling! Ha! Wie erbärmlich!" In Rosmarin pochte ein Takt, der ihre gesamte Körpersprache veränderte. Fasern spannten sich an, ihr Griff wurde fester und ihr Blick verengte sich. Der Feind schickte zwei ihrer Leute los. Die junge Sylvari stampfte mit dem Fuß auf und ließ eine Wand geflochten von Ranken erscheinen, die sich um die Feinde wickelte. Sie überlief die beiden und rempelte einen weiteren um. Sie fiel ebenfalls zu Boden. Immer noch war von dem Rest der Hüter nichts zu sehen. Sie wehrte den Hieb eines Höflings ab und im Sprung schlug sie mit dem Schwertheft ihm in den Nacken. Doch schon hatten sich die beiden anderen aus dem Rankennetz befreit und stürmten auf die Hüterin. Ihr stockte der Atem und ließ ihre Waffe fallen. Ein Zischen zerschnitt den stürmischen Kampf und mehrere Pfeile streckten schließlich die Höflinge nieder. Es war ihr Verband von Hütern der sich nun zeigte. "Warum jetzt? Sie hätten mich getötet!", schrie sie mit aufkommenden Tränen in den Augen. Der Hauptmann legte eine Hand auf ihre Schulter und nickte: "Du bist am Leben, nicht wahr? Du hast den Hain beschützt. Mutter ist dir dankbar, Hüterin." Rosmarin blickte fragend drein, alles nur ein Test gewesen? Nachdem die Leichen durchsucht wurden kehrte der Hainhüter-Trupp wieder zurück. Rosmarin sagte auf dem Weg kein Wort, trotz Belobigungen der anderen.
    Im Hain angekommen, gab es keinen Grund zu Feiern. Er ist erwacht, Mordremoth. Rosmarin spürte die Angst der anderen im Hain, Unsicherheit was dies bedeutete. Es wurden zahlreiche Versammulngen abgehalten, Brüder und Schwestern wurden über die Mordrem informiert und Rosmarin wurde immer banger. "Ist Thymian ein ...?" Daran wollte sie nicht festhalten und trainierte noch eifriger. Denn sie hatte ein weiteres Ziel: einen Drachen töten und Thymian zu befreien.

    Thymian, der seit seiner Ankunft in Götterfels nur noch "Minne der Sylvari" genannt wurde, erreichte nun die Gendarraan-Felder. Ein fruchtbaren Land. Doch hier waren die Menschen anders. Sie waren noch zurückhaltender, noch abweisender. Immer wieder hörte er ein Wort: Mordrem. Die Ablehnung ließ ihn vorsichtiger werden, doch aller Vorsicht reichte nicht. Vor den Toren Löwensteins griff ihn ein wütender Mob an. "Hinfort, Mordrem! Für Kryta, für Tyria!" schrien sie und rissen Thymians Hab und Gut fort, entblößten ihn als Sylvari. Sie schlugen ihn, traten auf ihn ein, es wurden immer mehr. Ihm stockte die Stimme und bald verlor er das Bewusstsein.
    Er träumte vom Hain, von Rosmarin, die Ruhe der Nacht. "Wir sind viele Blätter, aber ein Baum.", kreiste in seinen Verstand. Langsam löste sich der Schleiher der Benommenheit und er fand sich mitten in Löwenstein auf einen Platz wieder, umringt von einer keifenden Meute, bewaffnet mit allen möglichen, Fackeln und Hass im Blick. Er wagte es nicht sich zu erheben und ahnte schon sein Ende. Doch sie pöbelten nur, lachten gar und pfiffen. Er sah sich erstaunt um ehe er dann festgehalten wurde. Ängstlich riss er seine violetten Augen auf und sah nur noch ein grelles Licht. Dann wurde alles alles dunkel.
    Als das Lavendelhaupt sich nicht mehr rührte, kein Laut von sich gab, ließen die Leute von ihm ab. Sie ließen ihn einfach dort im Staub zurück, machten Scherze, dass er wohl einen guten Dünger abgebe.
    Vor den Toren lag er noch bis zum Morgen, dichter Nebel schwebte wie Schleier über die Ebene. Ein Rabe saß auf seiner Brust und krächzte. Thymian schrie auf, er bemerkte die Schmerzen überall, krümmte sich und und brachte sich mit Mühe auf die Knie. Der Rabe aber blieb neben ihm. Als er über sein Gesicht fuhr hielt er inne. Der Schock bildete sich und wurde gelöst von einem Aufschrei voller Qual. Er war wohl schon halb tot und trotzdem schleppte er sich fort. Er wusste nicht wohin er gehe, er sah nun die Welt in völliger Dunkelheit, voller Schmerz und Qual. Die Stimme in seinem Kopf wurde plötzlich lauter, was vorher ein Zischen oder Hauchen war, klang nun nach einem deutlichen Flüstern. Dieses Flüstern führte ihn nun auf seinen Wegen, begleitet von dem Raben, der ihn fand.
    In dieser Nacht wurde Rosmarin von Albträumen geplagt, sie sah Thymian wie er von Ranken umschlingt und in tief dunkles Grün gezogen wurde.
    Sie wusste ja nicht, wie wahr diese Bilder waren.

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