Morgendliche Briefe

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  • Die Schriftrolle ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Der ganze Ärger des Abends und des Morgens, der letzten Tage... auf einmal schien er weit weniger präsent. Was für ein unangenehmer Gedanke das sie so tief geschlafen hatte, dass es ihr nicht einmal aufgefallen war... Jemand - unabhängig davon ob Freund oder Feind - hatte es geschafft etwas auf ihrem Bett abzulegen und sie war nicht einmal aufgewacht.

    Was wenn es Jormag gewesen wäre? Ein Schneeball gegen die Wand. Die Zielübungen zeigten Wirkung. Mittlerweile trag sie eigentlich fast immer dieselbe Stelle. Gut... weniger Jormag und mehr die Eisbrut. Aber was wenn es Angreifer gewesen wären? Oder jemand der durchdrehte?

    Ihre Hände fühlten sich kalt vom Schnee an, kalt und frostig.

    Es war aber kein Feind gewesen.

    "Ho Marena."

    Im ersten Moment hatte die Anrede sie vollkommen aus dem Konzept gebracht. Typisch nornig... aber welcher Norn schrieb ausgerechnet ihr schon Briefe? Locce? Konnte Locce überhaupt schreiben? Von allen Norn kannte sie ihn aber zumindest am Besten.

    Immer wieder war der Blick über die erste Zeile geglitten, die Verwirrung und dann anschließend die Neugierde hatte alle Anderen, alle negativen Gefühle für einen Moment zur Seite geschoben. Nicht für immer. Aber für einen Moment.

    "...was ich aber weiß ist, dass du stark bist und Fürsorglich."

    Der Schneeball flog und ging weit daneben.
    Stark und fürsorglich.
    Sie.

    Die Hände der Weißhaarigen begannen zu zittern, zogen den Brief aus der Innentasche des Mantels und glitten noch einmal darüber. Sie holte tief Luft. Wieder und wieder. Solange bis ihre Atmung wieder einen geregelten Rhythmus hatte.

    "Du hast dein Herz am rechten Fleck!"

    War es das, was sie hatte hören wollen? Waren diese Zeilen vor einer fast Fremden wirklich genug?

    Nichts ist je genug. Nichts wird je genug sein.

    "Du hast dein Herz am rechten Fleck!"

    Sie kannte Arya nicht. Vor dem heutigen Tag hätte Marena nicht einmal gewusst ob man ihren Namen "Aria" oder "Arya" schrieb. Sie wusste nicht wirklich wer die Norn war, woher sie kam, wohin sie wollte. Im Grunde... wusste sie gar nichts.

    Und dennoch. Die ganze Woche, die sie hier verbracht hatte, all das was passiert war... der Schreck, die Angst, die Verzweiflung... Wieso schaffte ein einzelner Brief es nun für einen kleinen Moment... all das zur Seite zu schieben.

    "...denn du hast mir deine Hand gereicht...wolltest mir helfen... hast mir deine Hand gereicht.... obwohl du mich nicht wirklich kennst...wolltest mir helfen... was eine Legende ausmacht... nicht die Worte die andere.... wolltest mir helfen."

    Das bedeutet nichts.

    Doch.

    Sie kennt dich nicht. Sie sagt das nur um dich in Sicherheit zu wiegen. Dann fällt sie dir in den Rücken.

    Sie meint es ernst.

    Niemand würde ehrlich sagen, dass du das Herz am rechten Fleck hast.

    Sie hat es gesagt.

    Sie könnte lügen.

    Ja. Oder sie könnte das gesagt haben, was sie denkt. Und wenn sie das denkt, dann ist das genug.

    Genug für heute?

    Genug um weiter zu machen. Es ist genug um weiter zu machen und nicht aufzugeben. Genug um zu glauben, dass noch Hoffnung besteht. Genug um wieder Hoffnung zu schöpfen. Genug um zu glauben, dass es das hier wert ist. Genug um zu wissen... dass ich nicht vollkommen allein bin.

    Stille. Auf einmal war es so still, so friedlich wie seit Tagen nicht mehr. Da war nur ihr eigener Herzschlag und im Hintergrund das Leben der Feste. Zum ersten Mal seit einer Woche... war es wirklich still. Es hatte eine Bedeutung. Das alles hier hatte eine Bedeutung, einen Sinn, eine Erfolgschance.


    Spoiler anzeigen
    Uuuund ein Dank am Ende an Arya für diese Möglichkeit mal eine komplett andere Bjoraplot-Geschichte zu schreiben.
    "Das nächste Mal fliehen wir nach dem Essen!"
    "So unfähig beim Teekochen zu sterben bin ich nicht!"
    "Ich wurde nicht vergiftet ich... War nur zur falschen Zeit am falschen Ort... GUT! Ich wurde vergiftet!"
    "Magier... Die überheblichsten Wesen des Universums. Ich darf das sagen... Ich bin Elementarmagierin."
    "Ich bin selten etwas. Im Grunde... glaube ich oft, dass ich von allen Personen in meiner Umgebung am wenigsten bin und am meisten scheine."
    ~ Marena Éconde


Kommentare 2

  • Travon -

    Ein schönes Beispiel dafür, dass die Worte anderer nicht nur dann Einfluss nehmen, wenn es negative sind.

    • May -

      Ich muss sagen... auch OOC habe ich den Brief gerne gelesen, weil man durch diesen Brief auch einiges über die Schreiberin erfahren hat. Zumindest in meinen Augen^^. Es gibt immer wieder in all den Kriegswirren in Bjora auch Dinge an denen man sich erfreuen kann. Man muss sie nur finden! :)