Rosen

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    Blut, Selbstmord

    Geschichte

    Die Rosenblüten wogen sanft im Wind. Der Sommer war nun endlich auf dem Landanwesen angekommen und der Garten blühte, duftete, lebte. Rena saß auf der Terasse und nahm gerade ihr Frühstück zu sich. Allein. Nach ihrem morgendlichen Ausritt über die Felder, bis hin zum Grab ihrer beiden Brüder hatte sie Kajus abgesattelt, versorgt und sich in ihrer Reitkleidung an den gedeckten Frühstückstisch gesetzt. Allein. Ihre Eltern waren noch nicht wach, auch wenn Gedecke bereitstanden, sollte einer der beiden sich doch zu ihr gesellen.

    Die leere Schale vor ihr war vergessen, als sie der Sonne dabei zusah wie sie langsam am Himmel höher kletterte und die Strahlen über die Gartenmauern, hoch gewachsenen Bäume und die Gebäude hinweg kletterten um bis in ihren Garten zu gelangen. Die Rosenblüten schimmerten noch mit Tautropfen und es hätte sie sicher gefröstelt, wenn ihre Reitkleidung nicht so warm wäre.

    Gedankenverloren verharrte Rena in der Betrachtung der Blüten. Tiefrot und samtig weich waren die Blütenblätter, ergaben erst zusammengefügt die weiche Schönheit der Blüte. Sie erhob sich von ihrem Platz und wanderte langsam die Treppe hinab, über den Pfad hinweg zum Strauch hinüber. Aus der Nähe betrachtet wirkte die Blüte noch schöner, die Tautropfen schimmerten wie feine Kristalle auf den zarten Blütenblättern, am langen Stiel und den tiefgrünen Blättern.

    Langsam streckte Rena die Hand aus, ihre feingliedrigen, nackten Finger schlossen sich um den Stiel. Schmerz pulsierte durch ihre Hand als sie die Dornen berührte. Trotzdem zog sie ihre Hand nicht zurück. Distanziert betrachtete sie die tiefroten Blutstropfen die ihre helle Haut hinab rannen, über den Stiel der blutroten Rose. Mit einem leisen Knacken pflückte sie die Blüte und hielt sie bedächtig in der Hand.

    Die kühle Selbstbeherrschung die ihre Eltern so an ihr lobten, die viele Personen so an ihr schätzen, die sanfte Ruhe und Gelassenheit brach plötzlich. Hitze stieg in ihr auf, von den Fußsohlen zu ihrem Brustkorb. Schoss mit betäubender Intensität ihre Arme entlang, zu den blutenden Fingern die noch immer die Rosenblüte hielten. Statt die Hitze in Eis zu ertränken wie sie es sonst immer tat, ließ Rena ihr dieses Mal freien Lauf. Flammen züngelten über ihre Handgelenke hinweg, ohne das sie je die Kleidung der Finnegan berührt hätten. Kein Ruß, keine Brandwunden bildeten sich, doch die Hitze wirbelte um Renas Handgelenke herum bis ihre Fingerspitzen sich anfühlten als wären sie brennende Kohlen.

    Ein kleiner Funke sprang von ihren Fingerspitzen, dann ein Flämmchen. Das Eis, die Kühle war ihr entglitten. Rena wollte sie nicht mehr fühlen. Stattdessen ließ sie der Hitze freien Lauf. Das Flämmchen ergriff mit einem Flackern Besitz von der Rose die binnen weniger Herzschläge zu Asche verbrannt war und nur der Geruch von Feuer und Blut hing noch in der Luft.

    Die goldenen Iriden der Baroness glommen mit dem Feuerschein nach und sie rieb die Kuppe ihres Daumens über die blutenden Finger. Ihre Hand war zerstochen, doch sie hatte den Schmerz nicht gefühlt. Fühlte ihn auch jetzt nicht. Lediglich die Hitze blieb zurück und sie schauderte. Es hatte sich gut angefühlt. Einmal nicht beherrscht und kontrolliert zu sein. Ihre Emotionen nicht unter kaltem Eis zu ersticken.

    Rena wanderte langsam zu ihrem Sitz zurück und rieb mit der reinweißen Serviette ihre rußige, blutige Hand sauber. Das weiße Leinen war mit roten und schwarzen Schmieren versehen nachdem sie fertig war. Ihre Finger kribbelten. Kühle war ihr fern. Die Wut kribbelte in ihrem Leib und dieses Mal konnte alles Eis der Welt ihr keine Linderung verschaffen oder Einhalt gebieten. Rena stählte ihr Rückrat, Hitze leckte über ihren Leib hinweg, kribbelte in ihren Gliedern, verlangte nach Freiheit und Genugtuung.

    Ihre Mutter war tot und alles was sie fanden war eine Badewanne voll rotem Wasser, eine Rasierklinge und ein Brief der keine Erklärungen bot.

    Und die Person auf die Rena wütend war, hatte sich in der gestrigen Nacht davongeschlichen. Vielleicht schon am Abend. Man hatte sie erst heute Morgen gefunden im eiskalten Wasser, zwischen den herunter gebrannten Kerzenstummeln die am Wannenrand klebte.

    Mit einem letzten Blick zurück auf den Frühstückstisch wandte sie sich ab. Sie musste nach ihrem Vater sehen. Er hatte den neusten Schlag schlecht verkraftet. Rena lenkte ihre Schritte resolut gen Schlafgemächer. Sie würde sich umkleiden müssen.

    Mit leisem Knistern ging der Frühstückstisch hinter ihr in Flammen auf.

Kommentare 6

  • Amnesyas -

    Du hast dich selbst übertroffen. Ich kenne sie nicht, kann diese Gefühle aber doch sehr gut verstehen. <3

    • Mina -

      Oh, wow, da werde ich ja rot. Dankeschön für das Lob! :3

  • Motte -

    Starke Geschichte! <3

  • Harlem -

    Die Arme! Die Everetts/Morgaynes und die Finnegans sind vor nichts verschont.
    Ich finde toll das du es vage gehalten hast! Ich liebe ja sowieso deinen Schreibstil. Möchte gerne mehr von dir lesen.

    Und Rena soll sich von Kenan gedrückt fühlen.

    • Mina -

      Dankeschön für das Lob. :)
      Ich schreib ja schon mehr! Sogar zwei Geschichten in einer Woche! Das ist mehr!

      Kenan. Der arme Kerl. Ich glaube auch dem geht es nicht besser als Rena ;) Aber wenn alles utopisch wäre, wäre es ja auch langweilig.