Schneenacht

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  • Ausnahmsweise mal eine Geschichte meines geliebten Nornweibs.


    Sie kämpfte sich durch den tiefen Schnee und fluchte leise. Das wilde Schneegestöber um sie herum wurde immer dichter und Yrrva wusste, dass es ein Fehler war den letzten Rest der Strecke noch angegangen zu sein. Sie hätte in der warmen Hütte im Sund bleiben sollen. "Jaja, hätte." brummte die Hochgewachsene und zog den Kopf zwischen die Schultern um dem Wind zu trotzen. Neben ihr kämpfte sich die treue weiße Wölfin durch den beginnenden Schneesturm und Yrrva packte das schlechte Gewissen. Niemals könnte das Weib sich verzeihen, wenn ihre Begleiterin zu Schaden käme und das, weil Yrrva starrköpfig und verbissen war. "Wir suchen uns eine Höhle" brüllte sie dem Tier zu. Leichter gesagt, als letztlich getan. Die Sicht wurde immer schlechter und es begann zudem noch dunkel zu werden. Normalerweise machte es dem Gespann nichts aus auch in der Nacht zu wandern, jedoch nicht während eines Schneesturms. "Anfängerfehler." murrte sie und scholt sich damit selbst. Eigentlich war sie erfahren genug, als dass ihr solche Fehler nicht mehr unterliefen.

    Eine gefühlte Ewigkeit später entdeckte sie endlich eine Höhle. Erleichterung machte sich in ihrem Herzen breit, denn auch wenn sie robust war und schon mehr als einmal der Witterung getrotzt hatte, war sie nicht unsterblich. So schnell es ging bahnten sich Norn und Wolf den Weg zur Höhle und kaum in dieser angekommen wagte das Weib erleichtert auszuatmen. Sie nahm eine der kostbaren Pechfackeln die sie bei sich führte und versuchte mit Feuerstein und Zunder einen Funken zu schlagen der die Fackel entzünden würde. Yrrva biss sich auf die Unterlippe, denn die Hände zitterten und das, was eigentlich Routine war schien nun kaum möglich. Als die Fackel endlich brannte, wagten sich Ysa und Yrrva gemeinsam tiefer in die Höhle.

    Die Nacht war kalt und Weib und Wölfin lagen gemeinsam auf und unter den Fellen, spendeten sich gegenseitig Wärme. So warteten sie den Sturm ab, teilten sich das mitgeführte Trockenfleisch und warteten darauf, dass der Sturm sich legte.

    Yrrva spürte die Wölfin neben sich im Schlaf zucken und hörte ihr tiefes Knurren. Vermutlich war die Weiße auf Kaninchenjagd in ihren Träumen. Sie selbst fand kaum in den Schlaf, das Weib dachte nach. Würde sie auf ewig das wandernde Weib bleiben? Würde sie niemals zur Ruhe kommen, einen Kerl finden und eigene Welpen haben? Die Gedanken führten sie zurück in die Vergangenheit, in eine Zeit in der sie geglaubt hatte alles das gefunden zu haben. Ein Gesicht erschien vor ihrem geistigen Auge, von langen und blonden Haaren eingerahmt. In ihrem Kopf echoten süße Lügen wider, die sie damals als Versprechen verkannt hatte. Sie kniff die Lippen zusammen und gab selbst ein leises Grollen von sich. Sie verscheuchte die Geister der Vergangenheit aus ihren Gedanken und dennoch blieb ein flaues Gefühl im Herzen des Weibes zurück. Yrrva fiel in einen leichten und unruhigen Schlaf.

    Der Morgen graute kaum und das Gespann war schon wieder auf den Beinen. Bald würden sie die Klippen erreichen und Yrrvas Herz schlug direkt beim Gedanken an die Wärme in der Hütte des Wolfes schneller. Sie sehnte sich nach dem Freund, dem grauen Wolf mit dem sie eine innige Freundschaft verband. Havar der Holzwolf war der Einzige, dem sie tiefere Einblicke in ihr Ich erlaubte. Sie lächelte und blieb am Rande des Berges stehen. Sie schirmte die Augen gegen die Helligkeit ab und blickte in die Ferne. Dieser Bergkamm noch und sie hatten ihr Ziel erreicht. Yrrva setze ihren Weg gemeinsam mit Ysa fort.
    If you don't live for something, you'll die for nothimg.

Kommentare 5

  • Luc / Zavo -

    Willkommen daheim Schleicherin

  • Travon -

    Schöner Einblick. Ich mochte, dass du den Wert einer Pechfackel in solch einer Umgebung herausgestellt hast, und wie du darauf eingehst, dass Routine auch eine Gefahr bedeuten kann - und sich mit eiskalten Fingern auch nicht mehr leicht durchführen lässt. Gefiel mir.