Tränen aus Diamanten

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Ein dunkler, fast schwarzer Himmel, kein Mond erhellt die Berge aus weißem Sand. Es ist schon so lange her, dass die Sonne ihn erhellt hat. Fast schon ist es Mitternacht. Die Sterne funkeln wie Scherben aus Kristallglas in der unwirklichen Dunkelheit. Der Himmel so wohl bekannt und doch so fremd. Wie schwarze Geister ziehen Schleier über den Sternenhimmel, als wären die Wolken nur Namenlose Seelen die ihren Frieden suchen. Die beruhigende Stille nimmt das Land ein, kein Vogel singt und es scheint, als wenn sogar der Fluss schweigt, um die Welt nicht am Schlafen zu hindern.
    Warmer Sand gibt unter meinen nackten Füßen nach und verschluckt meine Fußspuren, sobald ich den Boden unter ihnen verliere. Spüre den seichten Atem der Wüste auf meiner Haut und laufe weiter in die Endlosen Sanddünen hinaus. Der Sonne hinterher um mich nicht in der Nacht zu verlieren. Ich spüre die Glut der Sonne tief in mir. Sie wärmt mich, sie spendet Ruhe und Kraft. Führt mich weiter hinaus in die unbekannten Weiten.
    Leises Flüstern schwebt über die Dünen hinweg, wirbelt Sand in der Ferne auf. Ein kalter Schauer überkommt mich, als das deutliche knistern und knacken von Eis die Nacht zerreißt. Glitzernder Nebel fällt in den Sand und lässt ihn erstarren. Unwirklich wie ein Traum ragt das Eis aus dem Boden und lässt die Kälte wie einen wehenden Schleier auf die Düne fallen.
    Neugierig und verängstig zu gleich tragen mich meine Füße darauf zu. Im rauen Eis spielen Schatten meinen Augen einen Streich und doch...
    Spüre wie die Kälte meine Zehen streift und langsam meine Füße umschlingt. Mit zitternden Händen versuche ich das Eis zu berühren und schreck zurück, als die Kälte zu groß wird. Eine Kälte, die sich über die Dünen ausbreitet und den weißen Sand in Schnee zu verwandeln scheint. Aus dem inneren keimt ein Licht, so hell und weiß und wird heller. Das knacken von Eis wird lauter. Mein Herz schlägt wild. Strecke ein zweites Mal die Hand aus und spüre wie die Kälte meine Hand verschlingt. Es klirrt und knack, tiefe Risse ziehen sich nun durch das Eis. Das silberne Licht wird heller und dann...
    Ich spüre die Wucht des kalten Atems und sehe wie Tausende und aber Tausende von kleinen Eissplittern wie ein Sturm herumwirbelten. Die Kälte schneidet die Haut, legt sich in einem unwirklichen Schimmer darauf ab und lähmt meine Bewegungen. Die Glut in mir schreit auf, wehrt sich gegen das Ersticken und lodert wild. Flammen brüllen und steigen in den Nachthimmel auf. Dann ist es still und dunkel.
    Erst ein Tropfen, dann zwei, dann regnete es. Warmer Regen prasselt sanftmütig auf meine Haut, wärmt meine Gedanken und klärt meinen Geist. Er funkelt wie fallende Sterne. Ich sehe auf und sehe mich. Ein Spiegelbild, doch es folgt mir nicht. Schaue mich schweigend an und beobachte wie der Regen wie kleine Diamanten über meine Wange laufen. Kein Regen, es sind Tränen. Gehe auf mich zu und will nach mir greifen, da versiegen die Tränen und ich fühle die heiße Glut der Sonne auf meinen Wangen. Blut, es läuft mir über die Wangen und tropft in den Sand.
    Meine Hände strecken sich nach mir aus, spüre die Umarmung. Spure die Kälte in meinem zweiten ich, wie sie nach meiner Wärme greifen will. Lege mir einen Finger auf die Lippen und bringe mich zum Schweigen bevor ich schreien kann und zersplittere wie Glas.


    Es dauerte eine Weile, bis Riotea den Kohlestift weglegen konnte. Obwohl sie längst zu Ende geschrieben hatte. Müde war sie noch immer nicht. Leise klappte sie ihr Notizbuch zu und legte den Stift oben drauf. Schlich sich durch den Schlafsaal und raus ins Freie. Den Blick in den sternenklaren Himmel hinauf dachte sie an Thimorn. Es war nicht das erste Mal an diesem Tag und wohl auch nicht das letzte Mal, bevor sie die Augen länger als nur einen Augenblick schließen würde.
    Sie: "Nimm den Lappen mit..." - Er: "Wofür einen Lappen? Ich gehe jagen!" - Sie deutet auf seinen Kumpel.

Kommentare 0