➽​ Eine neue Richtung ➽

Charakter: Hetja Blaufuchs ➽


Ein Teil war geschafft. Ein kleiner Teil. Aber es war ein Teil. Ein Teil ihrer Vergangenheit war überwunden. Lovilec würde ihr nichts mehr tun können. Längst als Mörder an Jacob Minkwitz verhaftet und verurteilt, würde er nie wieder für Carver arbeiten können. Er würde seine Pläne mit einem Mann weniger ändern müssen und das wollte sie sich zu Nutze machen.

Das Gasthaus Händlermünze war für Hetja eine Art Heim geworden. Petra und Andrew hatten sich immer gut um sie gekümmert und nach allem was im Salma-Viertel schon passiert war, war sie den Bewohner dankbar. Aber es wurde Zeit. Zeit zu gehen und einen ganz neuen Weg einzuschlagen.

Die Anfrage auf einen Studienplatz in der Abtei wurde beantwortet. Sie konnte dort ein paar Monate studieren und mit anderen trainieren. Nur eine Weile, bis sie die eigene Forschung beendet hatte und auf eigene Faust nach Cantha reisen würde.

Ein bisschen tat ihr der Bote der Werft ja schon leid. In der Zeit muss er ständig zwischen Löwenstein und der Abtei hin und her rennen. Sie wollte die Arbeit nicht aufgeben und die Werft sie nicht verlieren. Das war der Kompromiss.

Jaidras brachte sie noch bis auf den Vorplatz der Abtei. Wie versprochen bekam er seine letzte Bezahlung, bevor sie in den steinernen Wänden voller Wissen ihr neues zu Hause fand.

Das kleine Zimmer war noch spärlich eingerichtet, aber das würde sich schnell ändern. Hetja stellte ihren kleinen Koffer auf das schlichte Bett. Öffnete ihn und holte die Karte von Cantha heraus. Sie fand ihren neuen Platz über dem noch leeren Schreibtisch an der Wand.

Irgendwo dort.

Dachte sie für sich und legte die Hände um den Siegelring an der Kette.

Irgendwo dort muss er sein. Ich finde den Ort und werde ihn mit meinen eigenen Augen sehen. Ich werde sie mit meinen eigenen Augen sehen.

Zeit zu verschwenden kam für Hetja nicht in Frage. So landeten die beiden Bücher über ihre Familie und das bereits begonnene Buch über ihre Cantha-Forschung auf dem matten dunklen Holz des Schreibtischs. Dicht gefolgt von einigen Zeichenutensilien, dunkelblauer Tinte und einer weißen Schreibfeder.

Als sie sich zum Gehen zur Tür wandte, fiel ihr Blick in den Spiegel über der kleinen Kommode neben der Tür. Die Fuchsohren erhobenen Hauptes aufgestellt, begradigte sie ihre Haltung und verließ das Zimmer in Richtung Hörsaal.

Sie schwor sich kein einziges Mal die Ohren hängen zu lassen. Kein einziges Mal übers Aufgeben nachzudenken. Sie hatte ein Ziel, mehr denn je in ihrem Leben.