Aktuelles: Drachenleere um Tonteich

  • Der Bereich für alle Gerüchteküchen und Geschehnisse, die während des einwöchigen Plots in Tonteich und den umliegenden Ländereien aufkommen. Jeder Teilnehmer darf hier gern posten!


    Bitte wartet vor etwaigen Posts noch den Plotstart am Samstag ab. Den Beginn markiert der Einführungstext für die Karawane am Samstag. Dankeschön!

  • (ooc: Wie angekündigt folgt der Einführungstext für das heutige RP. Jeder angemeldete Char darf gerne seinen Weg durch die Menge hin zu dem Kisten-Seraphen finden. Bis gleich!)


    Beim Herannahen an den Dwayna-Platz herrscht eine tobende Geräuschkulisse. Nicht wenige Umstehende tönen mit Worten und Rufen über den Platz und formen eine Menge, durch die es nur wenige freie Korridore zur Mitte des eigentlich geräumigen Platzes gibt. Auf einer behelfsmäßig beigezogenen Kiste steht ein Seraph mit Klemmbrett in der Hand, der sich einen Überblick über das Chaos zu verschaffen sucht und dann und wann einen Namen in die Menge bellt. Entweder ist die Konsequenz ein strammer Haken auf seiner Liste, oder aber ein energischer Strich, gefolgt von einem gelegentlichen Kratzen mit dem Stiftende an seiner Stirn.


    Die Umstehenden sind lang nicht alle Teilnehmer der angekündigten Hilfskarawane für Tonteich, sondern offensichtlich Angehörige, die sich von den zivilien Helfern verabschieden möchten. Es werden letzte Worte getauscht, ein paar Kleinigkeiten und Andenken wechseln den Besitzer, ehe der Seraph auf der Kiste - der für Kenner das Dienstgradabzeichen eines Korporals trägt - die aufgerufenen Zivilisten dazu anhält, sich hinter den beiden schwer beladenen Dolyak einzufinden. Lose hinter dem Korporal hat sich ein Seraphenzug mit gut zwei Dutzend Soldaten eingefunden, eine Handvoll assistiert dabei, die freiwilligen Helfer zu den Dolyak zu führen.


    Packnetze umspannen die beiden Lastentiere und halten zahlreiche beschlagene Kisten auf ihren Rücken. Einige Gewehre, Schwerter und Streitkolben aus dem Arsenal der Seraphen liegen auf den obersten Kisten auf und werden mit von dem Netz gehalten, es muss die letzte Fügung eines Quartiermeisters gewesen sein, spontan Waffen für die belagerten Siedlungen freigeben zu können. Beide Dolyak muten ruhig an und werden von je einem Tierführer an der Leine gehalten - und mittels Futterbeutel bei Laune.


    Immer wieder hallt der Ruf des Unteroffiziers über den Platz: "Hilfskarawane für Tonteich! Hier melden, hier melden!" Oft genug kommt er gegen das tönende Gemauschel, das Gebell eines Hundes in der Menge oder das überlappende Geschrei von Kleinkindern an und wer schwer von Gehör ist, der wird sicher anhand der erhöhten Position und des regelmäßig in die Höhe gestreckten Arms erkennen, wo es sich zu melden gilt.

  • Nach dem gestrigen Aufbruch bestand die erste Etappe der Karawane freiwilliger Helfer und dem 4. Zug der 19. Kompanie 'Flügelschlag' aus dem Weg durch Shaemoor hin zur Festung. Vor Ort stießen die Hilfsbereiten rasch auf die Realität der Leerebedrohung, denn um nicht vom geplanten Pfad abzuweichen musste im Südwesten der Festung ein Plateau gestriffen werden, auf dem vermehrt Gefechte zwischen den Seraphen der Festung und den grotesken Grauen der Leere stattfanden. Wie von Korporal Murphy, der die Karawane kommandierte angewiesen, wurde die Flanke zum Feind hin verstärkt und vereinzelte Fernangriffe mittels Barrieren und Schilden abgewehrt.


    Direkte Konfrontationen mit den Kreaturen wurden so zwar umgangen, aber wie sich folgend herausstellen sollte traf es zwei Seraphen der Eskorte bei dem kurzen Feindkontakt am Plateaurand. Die Kameraden wurden beim nächsten sicheren Außenposten, dem befestigten Altarbachhandelsposten vom anwesenden Arzt Kai Meyris versorgt und mussten dort aufgrund der Natur ihrer Verletzungen zurückgelassen werden.


    Der finale Abschnitt bestand aus dem Weg gen Tonteich. Die Handelsstraße schien wie leergefegt, weder Zentauren noch Banditen striffen in der Nähe herum, doch die dunklen Säulen voller unheilverkündender Diener und verderbender Magie hingen wie Boten des Untergangs am Horizont. Zwischen den dichten Bäumen des Herzwaldes mussten sich welche in die Höhe erstreckt haben, andernfalls war es schwierig zu erklären, weshalb die Leerenkreaturen nicht weit des Pfades entfernt augenscheinlich ziellos durch das Dickicht huschten.


    Nicht weit von der letzten Anhöhe in Richtung Tonteich kam es schließlich zu einer flüchtigen und direkten Berührung mit einer einzigen Leerekreatur, die rasch von drei bewaffneten Freiwilligen niedergestreckt werden konnte. Mit Anspannung in den Knochen und Verwunderung über diesen blitzhaften Angriff zog der Tross final bis zum Nordtor von Tonteich, um rasch hinter den Mauern der Gemeinde Schutz zu suchen. Die Gruppe aus Seraphen und Helfern wurde von einer Ansammlung von Flüchtlingen, Seraphen, Anwohnern und Milizionären in Empfang genommen. Für Jubel waren die vergangenen Tage zu zehrend gewesen, daher war der Empfang ein stiller, geplagt von den schwermütigen Gedanken und vereinzelten Dramen der neuartigen Bedrohung.


    Die beiden Dolyak samt Fracht wurden der Kompanie 'Hügelstürmer' übergeben, die die Verteidigung von Tonteich übernimmt. Für die Freiwilligen und die mitgereisten Seraphen, die als Verstärkung in die Reihen der Hügelstürmer geführt werden sollten blieb nur noch übrig, sich von dem halben Tagesmarsch, den Plackereien und der Anspannung zu erholen. Das Tagesziel wurde erreicht, aber der Hilfseinsatz hatte damit erst begonnen.


    Und auch wenn keine faulige Kreatur die Straßen von Tonteich heimsuchte, da die Seraphen einen soliden Verteidigungsring etablierten, scheint die anhaltende Belagerung der rundherum herrschenden Drachenleere auf alle Gemüter zu schlagen. Munition, Verpflegung, medizinische Versorgung, all das wird mit den verstreichenden Tagen ohne Ausweg knapper und das Nervenkleid der Ansässigen dünner.

  • Aktueller Zustand und Aufteilung in der Gemeinde Tonteich


    Die Ankunft in Tonteich wurde den Helfern durch die Verteidigungsmaßnahmen erschwert, die man zur Abwehr der die Umgebung heimsuchenden Kreaturen zog. Rudimentär und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln wurden auf dem nördlichen und westlichen Zugang Sandsäcke, Kisten und Sperrholz aufgetürmt, sodass ein Weg zu den Toren nur noch in Serpentinen um die Hindernisse herum möglich ist. Vereinzelt wurden Mörtel und Steinbrocken aus der Mauer geschlagen, Schäden, die die Integrität fundamental angreifen und die jedem ein Hinweis sein mögen, dass hier vor nur wenigen Tagen sehr erbittert gegen Kreaturen mit primalem Zerstörungswillen gefochten wurde. An manchen Häusern ist die äußere Fassade angegriffen, an einem anderen ist der Dachstuhl beinahe völlig abgebrannt.


    Das Nordtor und der klein Zugang im Westen sind generell verschlossen. Beide Zugänge werden von der erhöhten Aussichtsposition der Mühle beobachtet und sobald ersichtlich ist, dass sich Verbündete oder Menschen nähern, die augenscheinlich keine Gefahr darstellen werden die Pforten zur Passage geöffnet. Eintretende werden dazu angehalten rasch in die Sicherheit der Mauern zu kommen, da man offenkundig jederzeit einen Überfall der Drachenleere befürchtet.


    In Tonteich herrscht ein verzweifelter Ausnahmezustand. Freie Wiesenflächen sind zu großen Teilen zu Zeltplätzen geworden, auf denen teils nur behelfsmäßig Stoff über in den Boden gesteckte und angebundene Äste gespannt wurde. Zuflucht finden hier zahlreiche Bewohner der umgebenden Ländereien, deren Höfe und Häuser im Freien dem Einfall der lebensfeindlichen Macht schutzlos ausgeliefert waren.

    Kreaturen streunen auf den Straßen des Dorfes keine mehr herum, doch es ist kein Geheimnis, dass selbst die Streitkräfte wissen es könne sich jederzeit ändern.


    Die Seraphenpräsenz vor Ort wurde spontan verstärkt. Die Kompanie 'Hügelstürmer' aus den nördlichen Kessex-Hügeln hat die hier stationierte Ausbildungskompanie auf eigene Faust verstärkt und unterstützt die Tonteich-Miliz bei der Verteidigung. Die Koordination ist dennoch weiterhin ein Chaos. Die Soldaten vor Ort sind aufgerieben, erschöpft durch wenig und schlechten Schlaf und zu Teilen demoralisiert, da der Feind übermächtig und omnipräsent scheint. Neben der zermarternden Geräuschkulisse eines Flüchtlingsauffanglagers - jammernde Kinder, schluchzende Erwachsene, bellende Köter, Streit und Spannungen - schallt alltäglich der Lärm aus Richtung der nordöstlichen Mauer über das Dorf. Die Soldaten auf den Wehrgängen bekämpfen regelmäßig streunende Leerekreaturen und halten sie davon ab, durch den Wald dem Tor und der Mauer nah zu kommen.


    Denn niemand ist sich wirklich sicher, wie lang so ein Tor gegen einen Ansturm von Drachenleerekreaturen stehen würde und wie gut solche verdorbenen Drachendiener eine Mauer erklimmen könnten. Doch Pfeile Kugeln und Schießpulver werden mit jedem verstreichenden Tag knapper und die Stärke der um Tonteich wabernden Leere nicht schwächer.


    Nach der Weisung durch Feldwebel Gabriel Rehberg in Absprache mit der vor Ort befindlichen Unterbürgermeisterin Irma Wendelin hat man einige Gebäude in Tonteich für diese Krise umfunktioniert.


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    Zeltplätze

    Feldküche & Essensausgabe

    Feldlazarett

    Zentrales Hilfslager

    Späh-/Wachposten

  • Der folgende Tag war geprägt von Koordination und Bestandsaufnahmen. Unter Leitung von Feldwebel Gabriel Rehberg und Unterbürgermeisterin Irma Wendelin wurden die Hilfsgüter der gestrigen Lieferung dem Inventar der Gemeinde Tonteich zugeführt.

    Du Stadt ist voll mit Geflüchteten, aber dennoch ungewöhnlich ruhig. Niemand weiß genau was passiert, wie lange die Lage noch andauern mag und das spüren die Neuankömmlinge auch. Noch scheinen Lebensmittel und sonstige Gegenstände des täglichen oder ärztlichen Bedarfs noch in ausreichender Menge vorhanden zu sein, doch wie lange noch? Was als erstes zu knapp werden scheint, ist die Munition. Daher sind einerseits die Schützen angehalten sparsam umzugehen, andererseits verdoppeln die anwesenden Magier ihre Bemühungen Schutzschilde aufrecht zu erhalten. Denn der Strom an Leeren-Kreaturen bricht nicht ab.


    Feldwebel Rehberg unterrichtet die Abenteurer, dass man Koordination in den Angriffen zu erkennen glaubt und man für einen Gegenschlag mehr Informationen über den Gegner benötige. Evakuationen sind nicht möglich, daher bleibt nur der Weg in die Offensive. Unter den Magiern und Magiekundigen formte sich daher das Vorhaben, am nächsten Tage in Richtung der Angriffe im Osten loszuziehen um Proben für die Forschung und weiteres Vorgehen zu sammeln.


    Unterdessen spitzt sich auch die Lage im Lazarett zu. Zwar wurde die Situation mit der Hilfslieferung entschärft, doch die Begegnungen mit Kreaturen der Leere bleiben bei einer hohen Sterblichkeitsrate. Unterbürgermeisterin Wendelin lässt am folgenden Morgen Ausgangssperren für Zivilisten und Kinder erlassen. Gegenüber den mutigen Seelen, die weiterhin für die Verteidigung verantwortlich sind, wird sie nicht müde zu betonen, dass der direkte Kontakt mit Leerenkreaturen höchst gefährlich sei und sie sich gut schützen sollen, sowie bei Verletzungen unverzüglich einen Heiler aufsuchen sollen.

  • Feldwebel Rehberg hatte der Schnitterin Shen den Auftrag gegeben, herauszufinden, wie man die Drachenleere bekämpfen könnte. Zwar hatte die Nekromantin eine Theorie, wie man gegen sie vorgehen könnte, doch würde sie Proben benötigen, um die Zusammensetzung dieser neuen Magie zu untersuchen. In Absprache mit dem restlichen magisch-begabten Personal der Miliz formulierten sie einen Plan: Sie würden ein kleines Exemplar der Manifestierungen in eine Falle locken, es bekämpfen und bevor es sich desintegriert Teile der entfliehenden Drachenleere einsammeln.


    Am Tag darauf wurde der Plan bereits umgesetzt. Die Exkursionsgruppe bestand aus den Wächtern Honvi Kan und Jaxie, den in der Naturmagie begabten Waldläufern Abros Axtwurf und Akari Morimoto, der Söldnerin Lissa Malan und dem Hoffnungsritter Andyris. Sie begleiteten Shen Argyrus und ihren Knochenteufel, der als Medium zum Transport der erbeuteten Drachenleere herhalten sollte. Sie verließen Tonteich durch das Nordtor. Ihr Ziel war ein kleiner Strom Drachenleere, der am nördlichen Ende des Berges inmitten des Herzwaldes aus dem Felsen quoll und gen Himmel floss. An dessen Fuße formten sich immer wieder neue Manifestationen, die den Bogenschützen aus dem Ostwall zu schaffen machten.


    Im Forst angekommen lokalisierten sie die tintenartige Strömung und hielten auf sie zu, ehe sie in gut einhundert Meter Abstand den Hinterhalt vorbereiteten. Es dauerte nicht lange, bis sich aus dem Strom finstere Fäden abspalteten und eine neue Manifestation formten – ein finsterer Schemen, der vage an die Form eines mit einem Breitschwert bewaffneten Kodan erinnerte. Wie zuvor besprochen war es der Charr Abros, der die Aufmerksamkeit des Feindes auf sich zog und an die Position lockte, wo der Rest der Truppe ihn erwartete. Sobald der Kodan sich in Reichweite begeben hatte, schnappte die Falle zu – die Wächter Honovi und Jaxie errichteten eine Kuppel, die das Wesen mit den Kämpfern einschloss, eine Flucht verhinderte und sie nach außen abschirmte.


    Der darauffolgende Kampf war heftig. Der Kodan-Schemen war massiv und erfüllt von geistloser Mordlust. Seine Verteidigung war zäh und erforderte koordinierte Angriffe, um sie zu brechen. Elementare Erscheinungen ließen Eis regnen und setzten Bäume in Brand. Der Waldboden wandelte sich in dornige Wurzeln, die nach den Kämpfern griffen. Spektrale Abbilder von blutrünstigen Waldbewohnern lenkten von dem Hauptfeind ab während außerhalb der magischen Wächterbarriere neue Abbilder Form annahmen!


    Schließlich war es den heroischen Kämpfern dennoch möglich, ihren Feind zu überkommen. Die bröckelnde Barriere verhinderte das Entfliehen der Drachenleere für einige Momente, die von Shen genutzt wurden, um einen Anteil jener in ihren untoten Diener fließen zu lassen. Jener zuckte und wand sich in vermeintlicher Pein, doch hielt er Stand. Im Angesicht von vier weiteren Schemen außerhalb der Kuppel entschied sich Shen, den Rückzug zu ordern. Der Norn Honovi ließ das was von seinem Schilde übrig war in blauem Feuer aufgehen und explodieren, was der Exkursionsgruppe ein Fenster bot, die Beine in die Hand zu nehmen.


    Einige Schemen verfolgten sie bis in die Nähe des Tors, wo sie von Abros‘ und Akaris‘ Pfeilen niedergestreckt wurden. Shen führte ihren untoten Diener nicht ins Innere des Ortes – stattdessen wies sie ihn an, sich im Feld jenseits des Nordtores einzugraben und auf weitere Anweisungen zu warten. Im Lager selbst musste Honovi aufgrund akuter magischer Überanstrengung behandelt werden.

  • Die Lage in Tonteich spannt sich rasch an. Gestern sahen Nachteulen späten Abend eine aufgebrachte Gruppe von Milizsoldaten bewaffnet und gerüstet das Nordtor verlassen, um in Richtung Westen zu ziehen und den Fluss zu überqueren. Sie müssen in die ungefähre Richtung der Höfe gezogen sein, doch als in der Nacht ein Aufruhr am Tor zu hören war, bestehend aus zahlreichem Geschluchze und vereinzelten Schreien war abzusehen, dass die entschlossenen Kämpfer verloren haben mussten. Nur drei der ausgezogenen zehn Männer und Frauen kehrten zurück, einer von ihnen schwer verwundet. Alle wurden ins Lazarett geschafft.


    Gemunkel über das späte Massaker breitet sich rasch aus und ist für die ohnehin angeschlagene Situation wie Gift. Zunehmend entbrennen Streits, die anfängliche Solidarität weicht im engen Mieder überstrapazierter Nerven Neid und Argwohn, es kommt zu rauflustigem Gedränge bei der Essensausgabe und zu ersten Unruhen vor dem bewachten Hilfslager. Vermehrt müssen sich die Seraphen rudimentär um aufgebrachte Flüchtige kümmern, die davon berichten bestohlen oder erpresst worden zu sein.


    Die neueste Speerspitze der keimenden Unruhe ist das Gerücht, dass den Seraphen auf der Nordmauer bald die Munition endgültig ausgehen würde und damit nahende Kreaturen rasch über den Wall in Tonteich einfallen könnten. Den Soldaten wurde zwar befohlen, nichts zu diesen Gerüchten zu sagen, doch allein der Umstand dass Gewehrschüsse seltener aus Richtung des Walls zu hören sind überzeugt einige Zweifler. Hinzu kommt die verschärfte Rationierung der Nahrung, die dafür sorgt dass mittlerweile die ersten Flüchtlinge mit knurrendem Magen schlafen müssen.


    Auf dem zentralen Dorfplatz findet sich daher seit heute auf der Tafel für Aushänge die Bitte des Feldwebels, dass erfahrene Jäger in Begleitung einer schmalen Eskorte kampferprobter Streiter die Umgebung vorsichtig nach Wild absuchen sollen. Verwertbares Wildfleisch wird gegen Münzen aufgewogen.

    Die Torwachen wurden angewiesen, keinen Jäger allein in die leerenverseuchte Umgebung zu entlassen.


    Ein zweiter Aushang bittet darum, dass Freiwillige die nahe Umgebung nach Ästen hoher Sträucher und junger Baumsetzlinge absuchen und beim Hilfslager gegen ein Entgelt abgeben sollen. Besonders begehrt seien Kiefer-, Eichen- und Eschenholz. Auch hier werden die Torwächter allerdings nicht jeden aus Tonteich auf Sammeltour gehen lassen - Es ist vorgeschrieben, in bewaffneten Gruppen auszuziehen. Einzelentscheidungen trifft ein Hauptgefreiter vor Ort.

  • Die angespannte Lage in Tonteich hat gestern einen beinahe fatalen Ausgang genommen. Gerade versammelten sich etwaige Streiter auf dem Dorfplatz, um weiteres Vorgehen zu besprechen, da erklang aus Richtung der Nordmauer nach einigen Augenblicken starken Aufruhrs ein alarmierendes Hornstoß. Wie sich herausstellen sollte, haben erschöpfte Soldaten und mangelhafte Munition dafür gesorgt, dass die Leerenkreaturen über die Mauer steigen konnten und den Wehrgang zur guten Hälfte besetzten. Auf der Mauer entbrannte ein wilder Kampf, der in den ersten Momenten viele Opfer in den Reihen der Verteidiger forderte.


    Glücklicherweise reagierten auf das Alarmsignal rasch freiwillige Streiter, Milizionäre und Verstärkung der Seraphen. In einem spontanen, gemeinsamen Kraftakt in der Defensive gelang es ihnen, die entarteten Drachenleerekreaturen von der Mauer zu tilgen. Auch vereinzelte Ausreißer, die bereits Fuß auf die Wiesen und Felder setzten wurden, bevor sie den wehrlosen Bewohnern und Flüchtlingen gefährlich werden konnten rechtzeitig aufgehalten.


    Als das Getümmel sich legte waren die einfallenden Kreaturen zwar besiegt, allerdings zu einem hohen Preis: Der Großteil der zur Zeit des Blitzangriffs auf der Mauer stationierten Schützen ist gefallen. Auch Teile der Verstärkung wurden verwundet oder getötet, sodass die Seraphen und Milizionäre nun mit ausgedünnter und teilweise verwundeter Streitmacht die weitere Verteidigung organisieren müssen.


    Dieser Umstand ist auch für die teils merkwürdigen Bilder verantwortlich, dass der kommandierende Feldwebel für wenige Stunden selbst den Bogen in die Hand nahm, um von der Mauer streunende Kreaturen, die der Gemeinde zu nah kamen mit der Hilfe standhafter Kameraden abzuwehren. Auch Korporal Murphy, der die Karawane der Helfer von Götterfels nach Tonteich kommandierte übernimmt nun längere Wachschichten - und kann sich nicht länger um die Verwaltung der Vorräte kümmern, die er zuvor übernahm.

  • Es ist vorbei. Drei Worte, die für die Hoffnungslosen und Geflüchteten in Tonteich, die Streiter, die mutig auszogen und die standhaften Verteidiger eine überwältigende Kraft ausüben. Ein anfangs verzweifelt scheinender Befreiungsschlag aus kombinierten Kräften wurde zum vollen Erfolg - Mehr, als es die Kämpfer selbst geglaubt haben werden.


    Gestern sammelten sich alle verbliebenen und verfügbaren Kräfte nahe des Dorfplatzes. Die Freiwilligen, die Seraphen und die Tonteich-Miliz brachen nach allerletzten Absprachen gemeinsam auf. Und auch wenn die Stimmung anfangs gedrückt schien, auch wenn der defätistische Geist ein Begleiter auf dem direkten Pfad durch den Herzwald in Richtung Sumpf, in dem eine lenkende Kraft der Leere vermutet wurde war; als es zum Feindkontakt in der Nähe des Phinney-Grat kam hielt die Formation des Kampfverbunds. Die Seraphen und Milizionäre sicherten die Flanken, während die Freiwilligen sich auf Nachhut und Front aufteilten. Auf diese Weise konnte der erhebliche Widerstand, wenn auch mit schmerzhaften Verlusten und einschränkenden Verwundeten bezwungen werden.


    Als man schließlich bis zu den westlichen Ausläufern des gottlosen Sumpfes vorrückte, traf man auf eine hohe Marionette der Drachenleere. Ein leereverdorbener Drescher führte eine emotionslose, nach Leben hungernde und chaotisch aus allerhand Kreaturen und Monstren zusammengewürfelte Horde den lebenden Angreifern entgegen. Ab diesem Punkt schien der Einsatz zu einem blanken Suizid zu werden, dennoch gab der kommandierende Feldwebel den Befehl anzugreifen. Als die ersten Bomben flogen, als man beinahe mit den Klingen den Feind erreichte lief die Entsatzungsmacht ins Nichts. Die materialisierte Drachenleere hatte sich vor ihren Augen aufgelöst, der Himmel zog auf, die gespenstische Stille im Anschluss war im ersten Augenblick für Soldaten und Streiter beinahe genauso unheimlich wie der eigentliche Feind, den man zu vernichten suchte.


    Nach verschiedenen Maßnahmen, die ausschließen sollten dass es sich hierbei nur um einen geschickten Trick der magiestrotzenden Leere handelte hatte waren die angeschlagenen Kämpfer erleichtert, doch wieder kehrt in Richtung Tonteich machen zu können. Das Phänomen war, wie sich herausstellte, nicht nur auf die Leeremacht beim Sumpf begrenzt. Auch die Gemeinde, die sonst mit Zentauren und Banditen fechten musste, schien angesichts der andauernden Belagerung der letzten Tage ungewöhnlich ruhig. Die Torwächter konnten und wollten die Leute nicht davon abhalten, das Wunder des plötzlichen Verschwindens mit eigenen Augen zu sehen. Sie zogen auf die Straßen vor den Toren, gingen zu den nahen Feldern, warfen teils irritierte, teils vorsichtig hoffnungsvolle Blicke in den altbekannten Himmel.


    Noch am selben Abend kündigte der Quartiermeister vor Ort an, dass jeder Freiwillige, der bei ihm eingetragen wurde seine Entlohnung anfordern könne. Es gab unterzeichnete Scheine, die in Götterfels bei einer Reihe von Banken einzulösen seien. Die Arbeit hier war darüberhinaus noch lang nicht getan; es wird nun einige Wochen dauern, die akuten Schäden zu beseitigen, ein Gespür für die frühere Normalität zurückzugewinnen und die Gefallenen zu betrauern. Dieser Sieg hier wurde nicht im Durchmarsch erkämpft, das wissen die Tonteicher. Es war eine gefühlt ewige, an manchen Tagen hoffnungslose Zeit. Nach wie vor sind alle Helfer eingeladen zu bleiben, die sich darum bemühen möchten Reparaturen, Aufräumarbeiten und die Versorgung der Verwundeten zu unterstützen, doch die direkte Kampfkraft konnte ihr Lager abbauen.


    Was bleibt ist der Schreck, die Toten, die Verwundeten, der Schaden, die Geschichten und Gerüchte. Eine dieser Geschichten müssen sich die Seraphensoldaten, die Milizkämpfer und vor allem auch die Freiwilligen hartnäckig anhören, auch wenn sie es selbst dementieren: Sie haben mit ihrem Einsatz eigenhändig dafür gesorgt, dass die Leere sich auflöse. Die gutgläubigen und erleichterten Menschen sehen sie als Helden an. Manchmal musste man eben doch nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

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