Meer der Gedanken

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  • RIotea: “Es tut mir leid, aber ich brauche einen Moment für mich.”
    Sie hatte nicht auf eine Antwort gewartet oder sich noch einmal umgedreht, sondern ging einfach. Erst im Hafen realisierte sie wohin sie ihr Instinkt geführt hatte. Ans Wasser, wie immer, wenn sie traurig war, führte sie ihr inneres Navi ans Wasser. Den Blick auf den Horizont gerichtet, folgte sie dem Ufer vom Hafen weg.
    Die Sonne war schon längst untergegangen und die vielen Sterne leuchtet am dunklen Nachthimmel. Der Sichelmond versteckte sich hinter Wolken, die wie Schleier aus Seide am Himmel hingen.
    Als sie glaube die Stadt nicht mehr hören zu können, ließ sie ihren Rucksack in den Sand fallen, zog den Mantel und die Handschuhe aus und stellte ihre Stiefel daneben. Das Halstuch knotete sie an die Rucksackriemen und sah auf das Meer hinaus.
    Ihre Brille auf, rannte sie ins Meer hinein und schwamm, einfach nur dem Mond entgegen. Das Land war schon entfernt als sie zurückblickte und die Lichter der Stadt sah. Riotea holte tief Luft, schloss die Augen und tauchte einfach ins Wasser, weiter und immer tiefer, bis sie das Gefühl hatte ihre Luft würde nicht mehr reichen.
    Aus dem Sturm der Gedanken und Gefühle wurde eine schlichte Woge aus kaltem Meerwasser.
    Als sie die Augen öffnete, sah sie das silberne Mondlicht durch die seichten Wellen funkeln. Riotea war weit unter der Wasseroberfläche, aber noch viel weiter vom Grund entfernt.
    Der Streit mit Erik tat ihr schon nach den ersten Worten leid.
    Warum klang es am Anfang so anders?
    Sie hatte ihn respektiert und sogar zu ihm aufgesehen, hielt ihn für ein gutes Vorbild. Dachte er wäre nur mit einer Handvoll Münzen verschwunden und hätte sich von ganz Unten raufgearbeitet.
    Genau das, was sie auch vorhatte.
    Dann das.
    Obwohl sie schon vor der Reise böse auf ihn war.
    Das Meer trieb sie langsam und gemächlich zurück an die Wasseroberfläche, als wäre sie ein Teil davon.
    Kriffon hatte es gehasst, wenn sie das tat, hatte sie sogar an ein Seil gebunden, damit er sie immer wieder zurückholen konnte, wenn er glaube sie würde ertrinken. Aber er hat es nie getan, kein einziges Mal.
    Sie hatte Erik dafür gehasst, dass er Thimorn von der Nacht in der Jagdhütte erzählt hatte. Dabei war nichts passiert. Das einzige was sie wollte, war nicht alleine sein. War einen Herzschlag zu hören, was sie jede Nacht so sehr vermisste.
    Was genau er Thimorn erzählt hatte, wusste Riotea nicht. Aber es war ihr auch egal.
    Was in der Jagdhütte passiert, bleibt in der Jagdhütte.
    Sie schrie die letzte Luft aus ihren Lungen und tauchte die wenigen Meter zur Wasseroberfläche auf.
    Innerlich hatte sie Erik wirklich einen verwöhnten Schnösel geschimpft, weil er sie so selbstverständlich angelogen hatte. Den Erik den sie sah, war nicht mehr der Überlebenskämpfer, der sich selber seinen Titel aberkannt hatte. Sondern nur noch einen Stinkreichen Dieb und Lügner.
    Mit fließenden Bewegungen legte sie sich auf den Rücken schwamm zurück zum Ufer, den Blick zum Mond gerichtet.
    Natürlich konnte Riotea gehen, wann immer sie wollte. Sie war ja nicht seine Gefangene. Aber sie fühlte sich schuldig. Er hatte die ganze Zeit geglaubt sie wäre ein Straßenkind das Hilfe brauchte. Ihr Gold gegeben damit sie überleben konnte.
    Wieder rauschte die Wut in ihr hoch.
    Ich bin kein Kind! Ich brauche keine Hilfe!
    Am Ufer angekommen schlug sie die Fäuste in den Sand. Schnaufen starrte Riotea runter zu den beiden matschigen Gruben, in denen Ihre Fäuste steckten. Das Wasser tropfte ihr aus den Locken und gab dem Sand drumherum ein Muster.
    Sollte ich gehen? Zurück nach Hause, zu Thimorn?
    Er kann auf sich aufpassen und wenn nicht, hat er ja Gold um jemanden dafür zu bezahlen.
    Du hast ihm versprochen, ihm zu helfen. Dafür das er dir geholfen hat.
    Er hat von Vertrauen geredet und selber keines zu dir gehabt.
    Du wolltest die Reise um dein Selbstvertrauen zu stärken, um dir selber dein Können zu beweisen.
    Er hat Thimorn von der Jagdhütte erzählt, weil er dich für sich wollte, egal was du willst.
    Du wolltest für Thimorn eine starke Frau sein, als eigenständige Frau zu ihm zurückkehren.
    Er hat dir das Gold gegeben, also kann es genauso für die Rückreise genutzt werden.
    Du solltest ihm das Gold zurückzahlen.
    In ihrem Kopf kämpften die Gedanken und Gefühle einen unerbittlichen, aber Ziellosen Machtkampf. Eine klare Entscheidung, war nicht abzusehen.
    Ganz gleich was du tust, der Streit wird immer zwischen euch stehen...

Kommentare 10

  • Erik Hallvard -

    Erik wollte Rio nie für sich und das wird sich auch nie ändern.

  • Lexileinlein -

    "Er hat Thimorn von der Jagdhütte erzählt, weil er dich für sich wollte, egal was du willst.", diese Quote versteh ich nicht ganz. Ist mit "er" Thimorn gemeint?

    • Riotea -

      Nein, ersetze im Satz Er durch Erik, dann wird es klarer. Konntest du auch nicht ganz verstehen, den den Teil kennst du ja nicht. ^^

  • Mr.Freezer -

    Interessante Geschichte, aber wäre ein innerer Kompass nicht besser als ein inneres Navi?