Die Zeichen von Veränderung

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  • Erik hatte sich, nach seinem Bad bereits hingelegt und auch Natalie hatte die Augen geschlossen. Nachdem er beim Baden dieses komische Lied gesungen hatte, bekam Riotea einen Klos im Hals und wusste nicht was sie tun sollte. Wühlte wahllos in ihrem Rucksack herum, ohne zu wissen was sie wollte und hatte dann doch etwas in der Hand.
    Ihr tat das Herz weh, aber nicht wie bei einer Verletzung, es war anders, ungewohnt anders. In der Hoffnung, dass die beiden es nicht gemerkt hätten, wischte sie sich Tränen aus den Augen.
    Sie griff sich mit der freien Hand an ihren Hals und umklammerte die Ketten, die silberne Halskette von Melandru und der geschnitzte Holz-Wolf am Lederband.
    So wunderschön sie es auch dort fand, so viel Angst hatte sie auch. Heimweh und Liebeskummer plagten ihr Herz und ein schlechtes Gewissen ihre Seele.
    War das wirklich sie?
    Bei der Schwertsuche und dem Schatzfund, ja. Das war sie selber, Riotea wie sie mit ihrer Naiven Art die Welt auf den Kopf stellt und Gleichzeitig alles was sie von Kriffon über das “Söldnerdasein” gelernt hatte, wie ein alter Hase umsetzte.
    Reinschleichen – Einstecken – Rausschleichen
    Ein paar Mal wiederholte sie noch diese Taktik wie ein Mantra in ihrem Kopf.
    Aber Erik so anzugreifen, diese grundlose Feindseligkeit, das war sie nicht. Riotea hatte das Gefühl, sich wie Natalie zu benehmen. Ihr Verhalten war so gar nicht sie selber.
    Ihn ertränken?
    Ihr war es schon so unangenehm gewesen, das Erik einfach so schamlos Halbnackt ins Wasser gegangen war. Allein bei der Vorstellung kauerte sie sich wieder zusammen und musste daran denken was Thimorn davon halten würde, wenn sie einen anderen Mann auch nur anfassen würde.
    Erwachsenwerden war der Grund warum sie mitgegangen war und warum sie auch nach dem Streit noch blieb.
    Unschlüssig ließ sie die Ketten los und umklammerte auch mit der Hand, ein in Leder gewickeltes kleines Bündel.
    Ist das etwa mein erwachsenes Ich? - Wenn ja, mag ich mich nicht.
    Noch immer zusammengekauert liefen ihr heiße Tränen über die Wangen.
    Das bin ich nicht! Das bin ich einfach nicht!
    War das einzige was ihr durch den Kopf ging, bevor sie das leichte Kribbeln in ihren Händen spürte. Die ganze Zeit hatte sie das kleine Bündel merkwürdiger Karten in den Händen gehalten und ihre Finger so heftig ins Leder gekrallt, dass sie kaum noch Blut in den Händen hatte. Als Riotea das Leder drumherum aufklappte und auf die erste Karte sah, erinnerte sie sich daran was Erik gesagt hatte: Tarir.
    Aber was ist das?
    Im ersten Moment sah sie noch wie eine Träne auf die Karte fiel und im nächsten Moment hatte sie das Gefühl inmitten einer goldenen Stadt zu stehen. Ohne zu wissen was da gerade um sie herum passierte, sah sie sich um. Die Stad schien völlig leer, nur die Sonne ließ Schatten tanzen. Offenbarung flüsterte wieder eine unbekannte Stimme in ihrem Kopf und im nächsten Moment war sie wieder in Elona.
    Beim ersten Mal, direkt nach dem Fund, hatte Riotea noch gedacht das Adrenalin spielte ihr einen Streich. Aber dieses Mal war es intensiver, realer. Von der Träne war keine Spur zu sehen.
    War das Einbildung?
    So lange wie sie schon Elona war, glaubte sie fast daran. Ohne zu wissen warum, mischte sie die Bilderkarten und sah auf eine andere. Ein Charr-Pärchen. Sie hatte zwei Junge im Arm und... Kriffon! Der Charr auf dem Bild, der neben der glücklichen Mutter stand, sah aus wie Kriffon. Aber als Riotea sich die restlichen Tränen aus den Augen wischte und noch einmal genau hinsah, hatte er kaum noch Ähnlichkeit mit ihm. Wieder flüsterte die Unbekannte Stimme in ihren Ohren, Leben.
    Nein, Kriffon war Tod und daran gab es keinen Zweifel.
    Riotea nahm die oberste Karte und legte sie nach ganz unten. Die Karte darunter war das Bild einer massiven Schatztruhe, mit deutlichen Spuren von versuchen sie aufzubrechen, vergebens. Für die Dauer eines Herzschlags hörte sie das flüstern, Geheimnis und ebenso lange hatte sie das Gefühl das Bild würde sich bewegen, die Truhe würde sich öffnen und den Blick auf einen Briefumschlag am Boden freigeben.
    Sie hatte Samus Brief ungelesen nach Hause, zu Thimorn geschickt.
    Unschlüssig legte sie auch diese Karte nach unten ins Deck zurück. Das Bild der Vierten Karte zeigte ein brennendes Schlachtfeld voller Leichen verschiedener Rassen Tyrias. Zerbrochene Banner und Krater von Kanonenkugeln. Inmitten des Schlachtfeldes, eine Gestalt mit Kapuze, in langer, schwarzer und zerfetzter Kutte. Die Sense und die Hand die sie hielt, mit Blut besudelt. Der Tod hauchte die Stimme in ihrem Kopf und die Kutte löste sich in Rauch auf. Der Sensenmann, war sie.
    Panisch wischte sich Riotea durchs Gesicht und als sie das nächste Mal auf die Karte sah, war da nur das Schlachtfeld. Kein Sensenmann, kein sie selber.
    Immer noch panisch wickelte sie die Karten wieder in den Lederlappen und stopfte sie ganz tief in den Rucksack. Mit einem Ruck warf sie sich in die Kissen am Boden und rollte sich zusammen.
    Das war nicht echt... es war nicht echt!

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