Artikel 2.164

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    Festtage mit der Familie waren immer lustig.
    Im Hause Theinfeldzelebrierte man mit Leib und Seele einen Wohlstand, dem man nicht angehörte. Man putzte sich heraus und zeigte, wie gut es einem ging. Dann lud man alle guten und schlechten Freunde ein um ihnen genau das unter die Nase zu reiben. Clara konnte sich nicht erinnern, wann ihre Eltern sie das letzte Mal so stolz präsentiert hatten. Haben sie das je? In ihrer Heimat hatte sie einen guten Ruf. Sie war eine bescheidene Berühmtheit und ihre Kunst sehr beliebt. Clara schüttelte Hände, lächelte und signierte Kupferstiche, die ihre Eltern im Kontor verhökerten. Ihre Mutter lachte stets und herzte sie wie ein lang vermisstes Stofftier. Clara konnte nicht sagen, dass sie ein schlechtes Verhältnis zu ihr hatte. Das stimmte nicht. Ihre Mutter war immer streng aber liebevoll gewesen, aber auch sie hatte ihre Tochter irgendwann resigniert aufgegeben als klar wurde, dass Clara ihnen keine adlige -oder irgendeine- Partie an Land… [Weiterlesen]
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    Regen

    Er roch den Regen, sah die lichtlose Welt und spürte die Einsamkeit in seinem Herzen. Es war wunderschön, besinnlich gar. Es gab nur ihn und die steinerne Stadt; Spiegelbilder in den Wasserlachen des Straßenpflasters. Er war dort und war es doch nicht. Er saß an seinem Schreibtisch und nur ganz allmählich schwoll das Ticken der Standuhr zu einem Störreiz an, der ihn zurück holte, in die Umarmung seines Altherrensessels. Mit liebkosendem Fingerstrich folgte er der gemalten Einfriedung des Totenackers und legte seinen Kopf dann an das Rückenpolster zurück, vollkommen entspannt im Nachklang des Gefühls, durch diese Nacht gewandert zu sein. Links und rechts von ihm türmten sich Kostenvoranschläge und Verträge, alle in Erwartung einer Unterzeichnung aus seiner Federhand. Wie schön war der Gedanke, dass da draußen nichts sei, als Regen auf kalten Pflastersteinen, dass all die Menschen in diesen Gräbern lagen, die Clara gemalt hatte. Wie schön war der Gedanke, der
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    Der unruhige Tag wurde zur unruhigen Nacht, aber endlich schlafen zumindest die hohen Häupter und Gäste ein wenig, lassen mich mit ihr allein. Mir bleibt die Wacht, die ich von Herzen gerne mache und eine Aufgabe, die von Nöten ist und deren ich mich von Herzen annehmen will.
    Wie du da liegst, eine Puppe in feinsten Stoffen. Ein zierliches, gebrechliches Gebilde in diesem Erscheinen mit einem angewinkelten. vergipsten Arm und einem gestreckten über weicher, weißer Decke. Die Augen geschlossen, dein goldenes Haar noch leicht verklebt vom Schmutz und Blut. Seit Stunden wird diese schlafende Miene beobachtet, aber du rührst dich nicht. Kein Zucken um die Augen, nicht das Grübchen in der Wange unter einem Lächeln. Was hat die Stadt dir gebracht Leandra? Mein Blick fällt auf die Blumen am Rand, Genesungswünsche und Zeichen der Achtung. Ein einzelner Strauß in einer Vase in pastellen Farben. Wäre der Anlass ein anderer, es brächte dich zum Lächeln, doch du lächelst nicht.… [Weiterlesen]
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    "Träume ich eigentlich?" fragte das Blondchen und lachte herrlich losgelöst auf. "Graham Turpin. Fischer oder Edelmann - bist du auch wirklich nicht auf den Kopf gefallen vorhin?" Sie kam einen Schritt auf ihn zu und ihre blauen Äuglein glitzerten herausfordernd als sie ihm die nächste Frage stellte, die Mundwinkel schelmisch hinaufgezogen: "Ich lasse den Badezuber voll und steige mit dir hinein… Das löst den Splitter und säubert die Schürfwunde. Was sagst du dazu?" Graham sah im nächsten Moment, einen Augenblick lang drein, als schwelle seine Zunge gerade auf das dreifache an und verschloss ihm seinen Hals und seine Luftröhre gleichermaßen. Nach einigen Augenblicken, in denen sie ihn so mustern durfte, entspannten sich seine Züge als er die Szene wohl vor seinem inneren Auge sah. „I-ich stoße dich nicht aus dem Zuber, Minna." hauchte er leis und fasste ihre Hände, legte seinen Blick in den ihren. "Wenn du das wirklich möchtest?" flüstert er und schenkt ihr ein[Weiterlesen]
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    Zwangsurlaub

    Lautes, kraftvolles Rauschen durchdrang den Löwensteiner Hafen, erzeugt von der beständigen Brandung, die gegen die Kaimauern drängte. Durchbrochen wurde die eintönige Geräuschkulisse nur von den laut gerufenen Anweisungen der Arbeiter, die Ladung von den großen Segelschiffen löschten oder neue Waren verluden, die wer weiß wohin verschifft werden sollten. Dazwischen mogelte sich der eine oder andere Fischer, der seinen Fang transportfertig machte oder seine Nussschale zum Auslaufen vorbereitete. Geschäftsmänner, die ihre Verträge schlossen. Und Reisende, die dem ganzen Treiben aus sicherer Entfernung zusahen.

    Und über alledem thronte ein alter, griesgrämiger Charr mit mattschwarzem Fell, die Pranken auf einer Begrenzungsmauer aufgestützt und missmutig hinunter blickend. Grom erinnerte sich – erinnerte sich still an die alten Zeiten als Hafenarbeiter. An die Zeiten vor den Wachsamen. An die Zeiten nach der Zitadelle. Fast glaubte er, er wäre zu Hause. Doch er war
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    Wiederkehr

    Schritte kamen die Straße herab. Hier und da verharrten sie, verweilten einen Moment lang, bevor sie von neuem weiterwanderten. Vor einem verlassenen Haus hielten sie erneut inne. Der Mann zu dem sie gehörten blickte eine Weile auf die Fenster im Erdgeschoss. Die schweren Übervorhänge waren zugezogen. So mochte es schon eine Weile gewesen sein, nichts deutete daraufhin, dass es in der letzten Zeit anders gewesen war. Kein Rauch stieg auf. Kein Licht drang von innen heraus.
    Im Vorgarten zeigte sich das gleiche Bild. Welkes Laub und Fetzen von Papier, dass hier und da in den Büschen und Sträuchern hing, vermittelte den selben Eindruck. Hier war schon eine ganze Weile niemand mehr ein oder aus gegangen.

    Die Gestalt wog einen Schlüssel in der Hand, und während die Finger darüber glitten als berührten sie einen Handschmeichler, setzte sich die Gestalt erneut in Bewegung. Ganz langsam durchquerten sie den Vorgarten, blieb auf dem Weg zur Tür. Als sie sie erreichte… [Weiterlesen]
  • Leise summend sitzt sie in der Hütte und das Feuer wirft Schatten auf ihre Gestalt, die wie ein Schauspiel umher springen. Gemächlich, als könne sie nichts auf der Welt aus der Ruhe bringen, kämmt sie sich mit den gespreizten Fingern die langen, dicken Locken über die Schulter auf den Rücken und fasst diese anschließend mit beiden Händen zu einem lockeren Zopf zusammen. Im Takt wiegt ihr Kopf hin und her, während sie weiterhin die Melodie eines Liedes summt, das sonst eigentlich die Vorbereitungen auf einen Kampf ankündigt. Nun schließen sich die schlanken Finger um das Leder, welches den Messergriff umgarnt und nach so häufiger Benutzung schon speckig und beinahe eins geworden ist. Der Stahl der schlanken Klinge blitzt auf, als sie das Messer anhebt und sich das Licht des Feuers in dem blank polierten Stück spiegelt. Sie führt das Messer hinter ihren Kopf, setzt es oberhalb ihrer Hand an den locker gefassten Haarzopf an und zieht mit einem Ruck durch. Ratsch!


    Ruckartig öffnen sich
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  • "Entschlossenheit. Fokus. Wagemut."

    Trampelnd hinterlässt das schwere Reittier seine dreikralligen Abdrücke in dem heiß brennenden Sand einer hohen Düne. Es ist nur ein Hochpunkt inmitten eines welligen Meers von unbeweglich schwerem Goldgelb. Das Biest hetzt durch die Landschaft, auf zwei Beinen seinen Reiter zuverlässig tragend. Schimmernd reflektieren rubinrote Schuppen die glühende Nachmittagssonne, Wogen wehenden Sandstaubs schwappen im Kontrast träge von den kräftigen Reißklauen aufgewühlt hinter ihm her, wehen mit dem nächsten Atemstoß der Wüste fort. Während des warmen Flairs eines aufgeheizten Wüstentags scheint das Treiben in den Dünen für den hohen Adler ruhig; doch für die niedrigeren Kreaturen ist er alles andere als das. Hektisches Gepolter, schnaubende Nüstern.

    Scharf blitzt poliertes, geschwärztes Metall einer Lanzenspitze auf. Von dem Reiter, ein vermummter Mann von großem Wuchs, gehüllt in die eng gewickelten Stoffbahnen eines großzügigen Gewands, das furiose
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