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    Sonne der Nacht

    Don stand am Fenster seines Schlafgemachs und blickte über die fluoreszierende Nachtblüher und Funkenschwärmer, die das Labyrinth von Eichenbruch zu einem gar mystischen Ort machten. Es gab ihm Sicherheit, denn diese Schönheit war tödlich. Niemand überlebte eine nächtliche Wanderung durch seinen Garten; die Pflanzen waren seine Armee, das blühende Idyll eine toxische Festung gegen die Zentauren in den nahen Wäldern. Die Botanik, eine maßlos unterschätzte Wissenschaft und Don ein ebenso unterschätzter Mann. Niemand hatte ihn je ernst genommen, am wenigsten sein Vater.

    Tatsächlich sah Don müde aus, kränklich gar, wie er da stand in seinem grünen Morgenrock, die Sternum-Narbe in der Stoffkluft. Nur hier in seinem Sanktum erlaubte er sich Schwäche, Müdigkeit und Zweifel. Sein Herz versprach ihm kein langes Leben und doch hatte er so ehrgeizige Ziele: er wollte die Zentauren aus seinen Wäldern vertreiben, Olivia gut vermählen und selbst einen Erben zeugen, der
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    Was kann ich zu euch sagen?


    Worte können nicht beschreiben was ich für euch empfinde. Stolz ist nicht der richtige Ausdruck, Liebe ist es auch nicht, es ist so viel mehr. Die alleinige Menge an Emotionen in mir übersteigt alles, was ich jemals empfunden habe.


    Eine Familie, ich hatte es nie für mich vorgesehen. Die Welt hatte es nicht für mich vorgesehen. Für uns. Aber nun? Jeden Tag denke ich an euch. An das was kommen wird.
    Ihr kommt in eine Welt voller Wandel und Gefahr. Ihr werdet zusammen mit dieser Welt wachsen und eines Tages sie selbst an euch vorbeiwachsen sehen. Ihr werdet uns überdauern und dann ist es an euch selbst diese Welt zu gestalten. War es leichtsinnig von mir, euch in diese Welt setzen zu wollen? Ich weiß darauf keine Antwort.


    Ein Versprechen kann ich euch jedoch geben...
    Ich werde für euch kämpfen, werde für euch bluten, um euch eine Zukunft zu schenken, euch eine Welt zu schenken, die lebenswert ist. Um euch die Welt zu schenken.
    Meine Kinder. Mein Fleisch… [Weiterlesen]
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    Zentauren

    Olivia hasste es gegen Don zu fechten. Er war besser als sie. Ihr eigenbrötlerischer Bruder stach sie aus. Er stach sie bei etwas aus, das ihr so viel bedeutete. Als sie Kinder gewesen waren, hatte sie ihn immer um den Drill beneidet, den ihm der Vater angedeihen ließ.

    "Wenn du beim Coupé zurück ziehst verlierst du dein Angriffsrecht," maßregelte Don sie schnöde als würde es ihn langweilen gegen sie zu kämpfen.

    "Den Zentauren ist mein Angriffsrecht egal!" gab sie zurück und mühte sich ihn zu parieren. Er war zu schnell.

    "Die Zentauren jagen dir einen Pfeil ins Herz noch ehe du dein Florett gezogen hast." Don besiegte sie ohne jeden Triumph darüber.

    Sie beobachtete ihn dabei, wie er sich das Gesicht trocknete. In ihr grollte Zorn darüber, dass er Recht hatte und darüber, dass er immer alles bekam, was er wollte, und schlimmer noch, alles was sie wollte. Celeste. Er bekam ihr Lächeln, er bekam ihre Küsse und er bekam ihre Liebe. Für was? Womit hatte er sich das
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    Vom geopferten Volk

    Es ward einst ein Volk,
    weit vor unserer Zeit,
    Gesäumt von Erfolg,
    es prächtig gedeiht.

    Ihre Hämmer schwingen auf, und wieder hinab,
    Auf kräftig und andächt‘ge Weise.
    Sie schufen ein Land, in den Tiefen fernab.
    Die Zypresse knarzte leise:

    Es wuchs ein mächtiges Königreich.
    Durch Schmiedekunst so einflussreich.
    In verschneiten Gipfeln, lebten stolze Wesen.
    Doch in eigenen Reihen, ein Verräter gewesen.

    Dagnar Steinhaupt säte Verrat,
    hinzu kam Bedrohung von den Mursaat.
    Es wanderte Deldrimor auf unsich’rem Pfad.
    Und so wurde geschwächt, einst stärkster Staat.

    Ihre Hämmer schwingen auf, und wieder hinab,
    Auf kräftig und andächt’ge Weise.
    Sie schufen ein Land, in den Tiefen fernab.
    Der Wind winselte leise:

    Sie retteten Tyria vor Primordus Erwachen.
    Mit dem größten Opfer stellten sie sich dem Drachen,
    Die überlebenden, tapferen Deldrimor Zwerge,
    ewig einsam leben sie nun, tief unter dem Berge.

    Gefeiert wären die tollkühnen Helden.
    Tyrias Wächter wurden sie nun.
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  • Rückblick

    Ein Gewölbekeller.
    Zwielicht.
    Stabile Mauern, zu Quadern geschlagene Felsblöcke.
    Mannshohe Weinfässer, Flaschenregale, Kartoffelsäcke.
    Gusseiserne Fackelhalter, zuckende Flammen, Pechgeruch.
    Ein langer Gang. Tanzendes Schattenspiel an den Wänden.
    Charakteristischer Duft: Feucht, leicht modrig, klamm, kühl.
    Ein schreiendes Scharnier, verzogen durch Alter und Gebrauch.
    Knisterndes Stroh, genagelte Sohlen.
    Steinboden.
    Leises Wasserplätschern in weiter Ferne: Es verstummt.
    Eine huschende Ratte. Spinnenweben im Eck, verteilt über die Gewölbedecke. Dick, zäh, weiß.
    Stimmengewirr. Undurchsichtiges Murmeln. Verhaltenes Gelächter, erstickt durch dickes, feuchtes Holz: Eine Türe. Stahlbeschlagene Front. Sie öffnet sich.

    Eine Versammlung dahinter. Grimme, düstere Gesellen, Frauen und Männer.
    Hagere Gesichter, lang und fahl. Feist andere, faltig, glänzende Wangen, Pusteln, unreine Haut, fettiges Haar. Augenringe, lange Schatten, Narbengeflecht.
    Blitzender Stahl, altes Lederwams,… [Weiterlesen]

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